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Attacken
London: Verhaftungen und Hausdurchsuchungen

Birmingham: Elf Wohnungen sind seit dem Attentat bereits durchsucht worden. Keystone

Nach dem Anschlag in London hat die Polizei eine massive Ermittlungsoffensive gestartet. Mehrere Personen wurden in verschiedenen britischen Städten festgenommen, Wohnungen wurden durchsucht.

Veröffentlicht am 22.03.2017

Auch zwei Tage nach dem Anschlag im Londoner Regierungsviertel gibt der Attentäter der Polizei Rätsel auf. Die britischen Sicherheitsbehörden haben zur Aufklärung des Terroranschlags eine massive Ermittlungsoffensive gestartet und weitere Personen verhaftet.

Die Polizei fasste in der Nacht auf Freitag in der Region um Birmingham und in Manchester zwei weitere Verdächtige. Scotland Yard sprach von bedeutsamen Festnahmen. Somit seien insgesamt neun Verdächtige in Gewahrsam.

Elf Wohnungen durchsucht

Zwei Tage nach dem Attentat im Zentrum Londons sei bereits mit rund 3500 Zeugen gesprochen worden, elf Wohnungen seien durchsucht worden, teilte Scotland Yard weiter mit.

Der zum Islam übergetretene Brite passt mit seinen 52 Jahren nicht in das Schema früherer radikal-islamischer Attentäter, die jünger als 30 Jahre waren. «Unsere Arbeitshypothese ist, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde», sagte der Chef der Anti-Terror-Einheit bei Scotland Yard, Mark Rowley.

Er sagte, die Ermittlungen konzentrierten sich auf das Motiv des Täters und die Vorbereitung des Anschlags. Die Polizei versuche herauszufinden, ob der Mann ganz allein handelte oder ob andere ihn ermutigten, unterstützten oder anleiteten.

Foto publiziert

Am Freitag veröffentlichte die Polizei ein Foto der Attentäters. Rowley gab den Geburtsnamen des Angreifers mit Adrian Russell Ajao an und bat die Öffentlichkeit um Informationen. Die Polizei hatte die Identität des Angreifers am Donnerstag zunächst mit Khalid Masood angegeben - diesen Namen hatte Ajao bei seiner Konvertierung angenommen. Sie verwies darauf, dass er unter einer Reihe von Decknamen bekannt gewesen sei.

Der 52-Jährige wurde in der südostenglischen Grafschaft Kent geboren, wuchs dort auf und lebte zuletzt in der Region West Midlands. Dort liegt auch Birmingham, die als Hochburg der Islamistenszene in Grossbritannien gilt. Der Täter soll nach Zeugenaussagen bis zum vergangenen Juni mit Frau und Kindern in der Grossstadt gelebt haben. Zeugen beschreiben ihn als «sehr religiös».

Radikalisierung in Saudi-Arabien

Britische Medien berichteten, Masood habe 2004 eine Muslimin geheiratet. Später habe er in Saudi-Arabien gearbeitet, wo er sich vor seiner Rückkehr nach Grossbritannien im Jahr 2009 radikalisiert habe. Zwischen 1983 und 2003 geriet Masood mehrfach mit der Justiz aneinander. Er wurde wiederholt wegen Körperverletzung, Waffenbesitzes und Störung der öffentlichen Ordnung verurteilt und inhaftiert.

Er galt aber nicht als Gefährder, und es liefen zuletzt keine Ermittlungen gegen ihn. Premierministerin Theresa May zufolge war Masood jedoch vor einigen Jahren bei Ermittlungen zu «gewalttätigem Extremismus» als «Randfigur» ins Visier des Geheimdienstes MI5 geraten.

Vier Anschlagsopfer, Täter erschossen

Masood war am Mittwoch mit einem Wagen gezielt in Passanten auf der Westminster-Brücke in London gefahren. Dort tötete er drei Menschen, anschliessend erstach er einen Polizisten vor dem Parlament. Masood wurde darauf von Sicherheitskräften erschossen. 50 Menschen wurden bei seinem Attentat teils schwer verletzt, unter ihnen viele ausländische Touristen. Es war der verheerendste Anschlag in Grossbritannien seit mehr als zehn Jahren. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich.

Am Donnerstagabend versammelten sich hunderte Menschen zum Gedenken an die Opfer in der britischen Hauptstadt. Auf dem Platz im Herzen Londons zündeten die Teilnehmer der Trauerkundgebung Kerzen an oder legten Blumen nieder. Am Freitag fand London allmählich zur Normalität zurück. Sämtliche Strassen rund um das Parlaments- und Regierungsviertel waren für den Verkehr freigegeben.

(sda/cfr)

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