Die Harvard-Anwältin Loretta Lynch wird neue Justizministerin der USA. Der Senat bestätigte die Nominierung der 55-Jährigen eher knapp mit 56 zu 43 Stimmen. Lynch ist damit die erste afroamerikanische Frau auf dem Posten und löst Eric Holder ab, der das Amt seinerseits als erster Afroamerikaner überhaupt bekleidet hatte.

Präsident Barack Obama hatte Lynch im November vorgeschlagen, nachdem Holder seinen Rücktritt erklärt hatte. Trotz ihrer langen Karriere als Juristin ist die New Yorker Staatsanwältin öffentlich bisher kaum aufgefallen und zählt auch nicht zu Obamas engstem Kreis.

«Das ist peinlich»

Der mittlerweile von Republikanern beherrschte Senat hatte die Abstimmung über die Nachfolge Holders mehr als fünf Monate aufgeschoben. Im November wurde die Parlamentskammer zwar noch von Obamas Demokraten beherrscht, doch diese nutzten die Zeit vor dem Machtwechsel für Personalfragen, die es ihrer Ansicht nach nicht durch den republikanisch geführten Senat geschafft hätten.

«Das geht zu weit», hatte Obama zuletzt in Richtung der Senatoren gesagt. «Bestätigt sie. Lasst sie ihren Job machen. Das ist peinlich.»

Für Obamas Einwanderungspolitik

Holder lobte Lynch als «begabte Anwältin, vollkommener Profi und engagierte Staatsdienerin» und gratulierte ihr zu dem neuen Posten. Strafverfolger, Bürgerrechtler und Vertreter der Strafjustiz jeder politischer Couleur respektierten sie. Sie habe «in jedem Fall und jedem Sachverhalt» ein zuverlässiges Streben nach Gerechtigkeit bewiesen.

Lynch ist einigen Republikanern auch deshalb ein Dorn im Auge, weil sie Obamas Einwanderungspolitik weitgehend unterstützt. Zehn Republikaner stimmten am Donnerstag für ihre Nominierung.

Grosse Herausforderungen

Neben der Gefahr terroristischer Bedrohungen warten auf Lynch auch in Zusammenarbeit mit den US-Polizeibehörden grosse Herausforderungen. Nach den wiederholten Fällen von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gilt das Verhältnis zwischen Bürgern und Polizisten in vielen amerikanischen Gemeinden als schwer belastet, das Misstrauen sitzt tief.

Eric Holder war deshalb etwa nach Ferguson (Missouri) gereist, wo es seit dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown im August 2014 immer wieder zu Unruhen kam.

(sda/tno)

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