Bei neuen schweren Luftangriffen in der Ostukraine haben Streitkräfte nach eigenen Angaben Hunderte Separatisten allein in der Stadt Dserschinsk getötet. Die prorussischen Aufständischen wiesen die Zahlen als nicht zutreffend zurück, bestätigten aber den massiven Raketenbeschuss.

In Dserschinsk - nahe der Grossstadt Donezk - gebe es keine solche Zahl an Kämpfern, betonte ein Separatisten-Sprecher laut der Agentur Interfax am Samstag.

Der Sprecher der von Kiew geführten "Anti-Terror-Operation", Wladislaw Selesnjow, teilte mit, bei den Luftschlägen in den Regionen Donezk und Lugansk seien rund 1000 Separatisten getötet worden, davon allein 500 in Dserschinsk. Dabei seien auch Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie Waffentechnik zerstört worden. Auch andere Militärsprecher wiederholten die Zahl.

"Er (Selesnjow) kann erzählen, was er will", sagte der selbst ernannte Verteidigungsminister der nicht anerkannten "Volksrepublik Donezk", Igor Strelkow. "In der ganzen Garnison Dserschinsk gab es nur halb so viele Leute", betonte er. Die meisten Kämpfer seien abgezogen gewesen. Es sei nur ein Kämpfer verwundet worden.

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Zivile Opfer

Bei schwerem Artillerie-Beschuss durch Regierungstruppen seien im Donezker Vorort Marjinka mindestens 30 Zivilisten getötet, sagte Strelkow weiter. Der Beschuss dauere an.

"Wir haben Kenntnis von 30 Toten. Aber noch nicht alle Trümmer sind beseitigt. Es kann noch mehr geben", sagte er laut der Agentur Interfax. Die prorussischen Kräfte seien intensiv mit der Evakuierung von Ortschaften beschäftigt. Auf Seiten der Aufständischen habe es keine Verluste gegeben.

Die prorussischen Kräfte meldeten zudem den Abschuss eines ukrainischen Kampfflugzeuges vom Typ Suchoi Su-25 in der Stadt Gorlowka.

Der ukrainische Rat für Nationale Sicherheit und Verteidigung (SNBO) teilte am Samstag mit, seit dem Vorabend seien fünf Soldaten getötet und etwa 30 weitere verletzt worden. Ein SNBO-Sprecher sagte, das Militär setzte die Angriffe fort.

Gespräche mit Poroschenko

Nach Angaben der Stadtverwaltung in Donezk hielt sich Bürgermeister Alexander Lukjantschenko in Kiew auf, wo er auch mit Präsident Petro Poroschenko sprach. Dabei sei es auch um einen möglichen Luftangriff auf Donezk gegangen.

"Erörtert wurden Schritte, um ein Blutvergiessen zu verhindern und um keine Luftwaffe und schwere Artillerie in der Stadt einzusetzen", teilte das Bürgermeisteramt mit.

Eine Bombardierung der ursprünglich von rund einer Millionen Menschen bewohnten Stadt hätte verheerende Folgen. Die Separatisten hatten angesichts drohender Militärschläge angekündigt, Hunderttausende Menschen in Sicherheit bringen zu wollen - vor allem ins benachbarte russische Gebiet Rostow am Don.

Zehntausende auf der Flucht

Vor der befürchteten Offensive der ukrainischen Armee sind tausende Menschen aus Donezk geflohen. Der selbsternannte Regierungschef des von den Aufständischen als Volksrepublik Donezk bezeichneten Grossraums, Alexander Borodaj, teilte am Samstag mit, mehr als 70'000 der etwa 900'000 Einwohner hätten bereits die Flucht ergriffen.

Überprüfen liess sich die von Borodaj genannte Zahl von unabhängiger Seite nicht, allerdings herrschte auf den Strassen reger Verkehr und auf dem Bahnhof grosser Andrang.

Russische Behörden berichten von einer "humanitären Katastrophe" auf ihrem Staatsterritorium. Rund 21'000 Flüchtlinge hielten sich demnach am Samstag in den insgesamt 321 eingerichteten Übergangslagern auf, wie das Zivilschutzministerium mitteilte.

Die aus dem Kriegsgebiet geflüchteten Menschen kommen bisher mehrheitlich bei Verwandten und Bekannten unter. Die Gesamtzahl der aus der Ostukraine Geflohenen liegt laut der russischen Migrationsbehörde bei rund einer halben Million Menschen.

Die EU gab am Samstag bekannt, dass neue Sanktionen Führungsmitglieder der selbsternannten Regierungen der Separatisten betreffen.

(sda/chb)