Der Ministerrat in Rom hat den Gemeinderat der Stadt Reggio Calabria in der süditalienischen Region Kalabrien aufgelöst, weil er angeblich vom organisierten Verbrechen unterwandert ist. Der Beschluss wurde aufgrund eines Antrags von Innenministerin Annamaria Cancellieri gefasst.

Ein von der Regierung ernannter Beauftragter, der Polizeichef der Stadt Crotone, Vincenzo Perico, übernimmt die Verwaltung der 186'000-Einwohner-Stadt bis zu Neuwahlen, die voraussichtlich im kommenden Frühjahr stattfinden werden.

«Die Auflösung des Gemeinderats ist ein schmerzhafter Schritt im Interesse der Stadt», kommentierte Innenministerin Cancellieri. Bisher war noch nie der Gemeinderat einer derart grossen Stadt aufgelöst worden.

Unternehmen begünstigt

Mehrere Stadträte in dem von der Mitte-rechts-Partei «Volk der Freiheit» um Ex-Premier Silvio Berlusconi kontrollierten Gemeinderat seien mit der 'Ndrangheta, dem Arm der Mafia in Kalabrien, verstrickt.

Bei der Vergabe von Aufträgen seien laut Ermittlungen mit der 'Ndrangheta verstrickte Unternehmen begünstigt worden. Ein Loch in Millionenhöhe belaste die Bilanzen der Gemeinde.

Immer wieder unterwanderte Gemeinderäte

Die italienische Regierung hat in den letzten 20 Jahren Dutzende Gemeinderäte aufgelöst, weil sie von der Mafia unterwandert waren. Einige Gemeindevertretungen wurden sogar zweimal hintereinander wegen des Verdachts auf Mafiaverbindungen aufgelöst.

Nach der Auflösung der Gemeinderäte müssen Neuwahlen ausgeschrieben werden. Die bisher vom Verdacht der Mafiaverbindungen am meisten belasteten Gemeinden befinden sich in Kampanien (der Region um Neapel), auf Sizilien und in Kalabrien.

(vst/aho/sda)

 

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