Eine Geiselnahme durch Islamisten in einem Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako ist am Freitagnachmittag beendet worden. Das meldete der französische Fernsehesender BFM und berief sich dabei auf einen malischen Regierungsvertreter. Uno-Soldaten zählten 27 Leichen im Hotel.

Die Suche nach Opfern würde fortgesetzt, sagte ein UNO-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Angaben zur Zahl der Todesopfer variierten allerdings. Örtliche Medien sprachen von 18 Toten, die Regierung bestätigte zunächst nur drei Opfer.

Zwei Terrorgruppen bekennen sich

Die Befreiung des Hotels Radisson Blu in Bamako war am frühen Freitagabend noch im Gange. Spezialeinheiten rückten zu den im siebenten Stock des Hotelgebäudes verschanzten Terroristen vor, sagte der malische Innenminister Salif Traoré. Sicherheitskreisen zufolge wurden bislang zwei Geiselnehmer getötet.

Noch am Freitagnachmittag hatten sich zwei Terrorgruppen zu der Aktion bekannt. Der Nachrichtensender Al-Dschasira aus Katar meldete am Freitag, er habe eine entsprechende Erklärung erhalten. Auch die mauretanische Nachrichtenseite Al-Akhbar berichtete, verantwortlich seien die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM).

Keine Kenntnis von Schweizer Opfern

Anführer von Al-Murabitun war der Topterrorist Mokhtar Belmokhtar. Nach Angaben der libyschen Regierung soll er im Sommer bei einem US-Luftangriff getötet worden sein. In der Gruppe Al-Murabitun - einer Abspaltung von Al-Kaida im Islamischen Maghreb - haben sich Araber und Angehörige der Tuareg zusammengeschlossen, die einen eigenen Staat im Norden Malis anstreben.

Nach Angaben des Hotelbetreibers Rezidor hielten sich zum Zeitpunkt des Angriffs 140 Gäste und 30 Angestellte auf dem Gelände des Radisson Blu in Bamako auf. Das Aussendepartement (EDA) in Bern hatte am späten Freitagnachmittag keine Kenntnis von Schweizer Opfern, es treffe aber weitere Abklärungen, teilte es der Nachrichtenagentur sda mit.

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Zugang im Diplomaten-Auto

Nach Angaben eines Mitglieds des Hotel-Sicherheitsteams nutzten die Angreifer ein Fahrzeug mit diplomatischen Kennzeichen, um Zugang zum normalerweise sehr gut gesicherten Radisson Blu zu erhalten. Medienberichten zufolge skandierten die Angreifer «Allahu Akbar» (Gott ist grösser).

Der französische Präsident François Hollande sprach von mehreren «Touristen oder Unternehmensvertretern zahlreicher Nationalitäten», die sich im Hotel aufhielten.

Air-France-Crew als Geisel

Unter den Gästen war auch eine zwölfköpfige Air-France-Crew. Auch sechs Mitarbeiter der Fluggesellschaft Turkish Airlines hatten sich im Radisson-Blu Hotel aufgehalten, wie ein Vertreter der türkischen Regierung sagte.

Das indische Aussenministerium erklärte zudem, unter den Geiseln seien auch mindestens 20 Landsleute gewesen. Die Rede war ausserdem von chinesischen und belgischen Geschäftsleuten.

Ähnlichkeit mit Anschlag im August

Der Angriff vom Freitag weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Anschlag im August. Damals waren bei einer Geiselnahme und anschliessenden Gefechten in einem bei Ausländern beliebten Hotel in der Stadt Sévaré in Zentralmali 13 Menschen getötet worden, unter ihnen mehrere Uno-Mitarbeiter. Zu dem Angriff bekannten sich damals malische Dschihadisten.

(sda/ise/chb)