Waren die jungen Schweizerinnen und Schweizer sicher, dass die Initiative gegen die Masseneinwanderung ohnehin verworfen würde? Oder waren viele einfach zu faul? Fakt ist: Die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen stimmte zwar mit rund 60 Prozent am stärksten gegen die SVP-Initiative, wie die heute veröffentlichte Vox-Analyse der Universität Genf zeigt. «Doch das hatte kaum einen Einfluss, weil die Wahlbeteiligung so ausserordentlich niedrig war», sagt Politikwissenschaftler Pascal Sciarini, der die Untersuchung mitverantwortete.

Traditionell ist die Wahlbeteiligung unter den älteren Schweizer Bürgerinnen und Bürgern höher als unter den jungen. «Aber diesmal war der Unterschied zwischen den Altersgruppen besonders hoch», sagt Sciarini. So stimmten nicht einmal 20 Prozent der unter 29-Jährigen am 9. Februar ab, bei den über 50-Jährigen lag die Wahlbeteiligung hingegen bei über 70 Prozent.

Unterschiede zwischen Jung und Alt

Nach Analyse des Politikwissenschaftlers Claude Longchamp verstärkten sich die Unterschiede bei der letzten Abstimmung noch. Damit bestätigt er die These von Sciarini. «Denn bei der älteren Altersgruppe liegt die Beteiligung 27 Prozent über dem Mittel der beiden letzten Jahre, bei der jüngeren gerade 5 Prozentpunkte darüber», schreibt Longchamp, der die Vox-Analyse erstmals 1992 herausgab, in seinem Blog.

Mit anderen Worten: «Die selektive Beteiligung nach Altersklassen glich die Unterschiede nicht aus, sie verstärkte sie noch.» Laut Longchamp steige zwar die Zahl der jungen Politiker, nicht aber der jungen Menschen, die wählen gingen.

Demokratie ohne Nachwuchs?

Für die Schweizer Gesellschaft sei es sehr problematisch, wenn der Nachwuchs der Demokratie fehlt. «Denn uns droht nicht nur, dass der demografische Wandel die Überalterung der Politik befördert», schreibt er. «Wir sind mitten drin in diesem Prozess, wegen der Selektivität der Teilnahme nach Alter.»

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