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Italien
Matteo Renzi: Der Abgang des Coverboys

Matteo Renzi: Wollte die alte Politik «verschrotten». Keystone

Matteo Renzi liebt die Bühne und die Inszenierung. Die einen sehen in ihm einen grossen Charakter, die anderen einen arroganter Machtpolitiker. Nun hat das Volk ihn abgesägt.

Veröffentlicht am 05.12.2016

Matteo Renzi war als Regierungschef einst ein Hoffnungsträger, der Italien aus der Krise holen sollte. Im Laufe seiner Amtszeit sind viele Italiener seiner Hauruck-Art aber überdrüssig geworden.

Andere kritisierten, dass der Chef der Sozialdemokraten nie vom Volk gewählt wurde, sondern Anfang 2014 lediglich seinen Vorgänger Enrico Letta aus dem Amt gedrängt hat. Stress ist der Modus, in dem Renzi zu Höchstformen aufläuft. «Wenn jeder gegen mich ist, dann habe ich am meisten Spass», sagte der 41-Jährige einmal.

«Kämpferisch, ironisch, stolz, argumentativ»

Der einstige Bürgermeister von Florenz war im Februar 2014 als jüngster Regierungschef in der Geschichte des Landes mit dem Versprechen angetreten, die alte Politik zu «verschrotten». Jeden Monat sollte es eine Reform geben - eingetreten ist das nicht.

Für seine Gegner ist Renzi ein arroganter Machtpolitiker. Er selbst bezeichnete sich als «hin und wieder böse, arrogant und manchmal impulsiv». Darin liegen auch die Eigenschaften, die andere schätzen. «Sein Charakter ist kämpferisch, ironisch, stolz, argumentativ. Renzi ist wie Machiavelli. Er will die Politik ändern», beschrieb ihn der jetzige Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella.

Auf dem «Rolling Stone»-Cover

Renzi liebt die grosse Bühne und die Inszenierung. Er steht hinter der EU, aber ging auch in der Referendumskampagne mit «Brüssel-Bashing» auf Stimmenfang. Vor allem in der Flüchtlingskrise hat er sich stets für mehr Lastenverteilung ausgesprochen. Er präsentiert sich jugendlich und posierte für den «Rolling Stone» oder zeigte sich in der Modezeitschrift «Vogue» mit seiner Frau, der Lehrerin Agnese Landini, und den drei Kindern in toskanisch-rustikalem Ambiente.

Schon bei den Pfadfindern habe sich ihm das Motto eingeprägt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, heisst es in seiner Biografie. Aufgewachsen in der Gemeinde Rignano sull'Arno bei Florenz, studierte er Jura, arbeitete im Familienunternehmen und schlug schnell die politische Laufbahn ein. Beim Wahlkampf für das Bürgermeisteramt in Florenz setzte er schon auf das Versprechen, das politische Establishment abzusägen. Nun hat ihn das Volk selbst abgesägt.

Das sind Renzis mögliche Nachfolger:

(sda/tno/hon)

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