Extremisten haben mit dem seit Jahren schwersten Anschlag im Jemen das arabische Land noch weiter an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht. Vier Selbstmordattentäter sprengten sich während des traditionellen Freitagsgebets in und vor zwei Moscheen in die Luft. Das jemenitische Gesundheitsministerium bezifferte die Zahl der Toten auf mindestens 142, jene der Verletzten auf 351.

Die radikale Miliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Taten und drohte mit weitere Anschlägen auf Huthis. «So Gott will, ist dieser Einsatz nur Teil einer kommenden Flut», hiess es in einer über den Kurznachrichtendienst Twitter von IS-Anhängern verbreiteten Erklärung der Gruppe.

Schiiten im Visier

Die Anschläge sind der bisherige Höhepunkt der Gewaltwelle, die das verarmte arabische Land seit Monaten heimsucht. Der Jemen steckt mitten in einem Machtkampf, der sich zu einem Bürgerkrieg auszuweiten droht. Schiitische Huthi-Rebellen kontrollieren weite Teile der nördlichen Landeshälfte einschliesslich Sanaas. Der von den Vereinten Nationen anerkannte Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi hat sich in den Süden nach Aden abgesetzt. Wegen der Unruhen haben mehrere Länder, darunter Deutschland und die USA, ihre Botschaften im Jemen geschlossen.

Die beiden in Sanaa angegriffenen Moscheen werden hauptsächlich von Huthis besucht. Ein Augenzeuge sagte, er wollte gerade in eines der Gotteshäuser im Stadtzentrum gehen als er zwei kurz aufeinanderfolgende Explosionen gehört habe. Ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters zählte mindestens 25 blutige Leichen, die auf der Strasse lagen und in einer der Moscheen. Krankenhäuser in Sanaa riefen zu Blutspenden auf angesichts der zahlreichen Opfer. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Seiten auf, feindliche Handlungen sofort einzustellen.

Keine Bestätigung für IS-Urheberschaft

Auch in der Huthi-Hochburg Sadaa versuchte ein Selbstmordattentäter sich in einer Moschee in die Luft zu sprengen. Seine Bombe explodierte jedoch nach Angaben eines Mitarbeiters der Sicherheitskräfte früh, so dass nur der Angreifer selbst umgekommen sei. Der IS übernahm auch für diesen Anschlagsversuch die Verantwortung.

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Ein Sprecher des Präsidialamts in Washington sagte allerdings, die USA könnten nicht bestätigen, dass die Anschläge wirklich auf das Konto des IS gingen. Es gebe keine klare Verbindung zwischen den Attentätern und der Islamisten-Miliz. Der IS hat grosse Teile des Irak und Syriens unter seine Kontrolle gebracht, hat aber auch in anderen Ländern viele Anhänger. So soll auch der Anschlag auf ausländische Touristen in Tunesien am Mittwoch von IS-Kämpfern verübt worden sein.

Lage seit Jahren angespannt

Die Miliz ist aus der sunnitischen Al-Kaida hervorgegangen. Deren radikalster Flügel, die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel, treibt vornehmlich im Jemen ihr Unwesen und sorgt in dem Land seit Jahren für eine angespannte Sicherheitslage. Das schürt nicht zuletzt Sorgen bei den anderen Golfstaaten, allen voran dem Nachbarn Saudi-Arabien, der Jemen könnte als Staat scheitern und zum sicheren Hafen für radikale Gruppen wie Al-Kaida oder dem IS werden.

Noch einmal verschärft hat sich die Situation seit September mit dem Aufstieg der vom Iran unterstützten Huthis. Sie sind verbündeten mit dem im Zuge des Arabischen Frühlings entmachteten Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Er ist einer der schärfsten Kritiker seines Nachfolgers Hadi.

Dieser hat nach seiner Flucht nach Aden mit Unterstützung sunnitisch geführter Golfstaaten versucht, eine neue Machtbasis in der Hafenstadt aufzubauen. Am Freitag wurde sein dortiger Präsidentenpalast den zweiten Tag in Folge von Kampfjets angegriffen. Nach Angaben aus dem Umfeld des Präsidialamts blieb Hadi unverletzt. Wer hinter den Angriffen steckt, ist nicht bekannt.

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(reuters/sda/gku)