Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, aber auch im grenznahen Bodensee-Raum in Baden-Württemberg haben Banken laut einem Bericht des «Spiegel» Städte und Kreise in trickreiche Derivatgeschäfte gelockt, die an den Schweizer Franken gekoppelt sind.

Allein in Nordrhein-Westfalen betrage das Risiko für die Städte und Kreise aus solchen «Currency related swaps» mindestens eine halbe Milliarde Euro, schreibt das Magazin unter Berufung auf einen Bankenrechtsanwalt aus München. Mit den Swaps, so der Jurist, der mehrere Gemeinden gegen Banken vertrete, hätten sich die Geldhäuser auf Kosten der Gemeinden gegen einen steigenden Schweizer-Franken-Kurs versichert.

Den Finanzvorständen hätten die Banken das hingegen als ein risikoarmes Investment verkauft, so der «Spiegel» weiter. Bei einem Kursverhältnis von «einem Euro zu 1,45 CHF» würde die Schweizer Notenbank intervenieren, heisst es dem Magazin zufolge in einer Swap-Präsentation der Dexia-Bank für Kommunen aus dem Jahr 2007.

Kredite belasten Städte

Bereits zuvor waren Probleme deutscher Gemeinden mit Franken-Krediten bekannt geworden: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank vergangene Woche, den Mindestkurs zum Euro aufzuheben, schickte den Euro auf Talfahrt - und stellt nun deutsche Städte und Kreise, die Kredite in Franken aufgenommen haben, vor Schwierigkeiten.

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Der Finanzvorstand der Stadt Bochum in Nordrhein-Westfalen, Manfred Busch, nannte die Aufnahme der Kredite nun einen «Fehler» aus heutiger Sicht. Der Finanzvorstand der Stadt Essen, Lars Martin Klieve, sagte im Interview mit «handelszeitung.ch»: «Wie fast alle Welt war ich davon ausgegangen, dass die Nationalbank weiter am Mindestkurs festhält.»

Insgesamt sollen laut Angaben der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» alleine in Nordrhein-Westfalen 31 Städte und Kreise nun Problemen mit Franken-Krediten haben.

(tno)