Der Reporter hat seine Meinung schnell gemacht. «Zürich, Schweiz, die Stadt, in der Geld gewaschen und gebunkert wird. Geld aus Waffendeals, von Despoten – aber eben auch von deutschen Mittelständlern. Ich, der Reporter, bin in Europas Zentrum für Steuerflüchtlinge unterwegs,... », schreibt der Autor in einer grossen Reportage, die heute in der deutschen Boulevardzeitung «Bild» erschien. Dass Zürich in den letzten Jahren regelmässig zu den Städten mit der weltweit höchsten Lebenqualitat zählt bleibt unerwähnt.

«In welchem Zürich war der Reporter?»

Die Reaktionen von Politikern und Behördenvertretern auf den Artikel lassen denn auch nicht auf sich warten. «Das geht mehr unter Klamauk als unter Journalismus. Ich frage mich, in welchem Zürich der Bild-Reporter war» sagt der städtische FDP-Präsident Michael Baumer. Auch im Präsidialdepartement ist man nicht gerade erfreut. Die Reportage zeichne ein «offensichtlich einseitiges und falsches Bild» von Zürich, das die Stadt auf negative Klischees reduziert. «Dies ist bedauerlich, denn wer unsere Stadt auch nur flüchtig kennt, weiss, dass die in der Reportage gezeichnete Situation für Zürich in keiner Art und Weise charakteristisch oder repräsentativ ist», sagt der Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch.

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Sex und Drogen

«Zürich, Innenstadt. Von aussen sieht es aus wie ein Züricher Wohnhaus.../ ....Sie nennen es den «Banker»-Puff; ab 700 Franken dürfen Kunden Prostituierte in die oberen Etagen begleiten. Bei Bedarf besorgen die Frauen auch Drogen», heisst es in der Reportage weiter.

Bei Zürich Tourismus geben sich die Verantwortlichen dennoch betont gelassen. «Wir sehen keinen Anlass, auf einen solchen Boulevard-Artikel zu reagieren», lässt die Organisation ausrichten. Den Bericht hält man sowieso für politisch motiviert: «Solche Artikel können im Rahmen politischer Diskussionen entstehen.»