Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern geht weiter: Am Samstag sind im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wieder vier junge Palästinenser nach versuchten Messerattacken auf Israelis erschossen worden.

Im Osten Jerusalems griff ein 16-Jähriger in der jüdischen Siedlung Armon Hanaziv einen israelischen Polizisten mit einem Messer an, als er nach einem Ausweis gefragt wurde. Der Attentäter wurde mit Schüssen getötet, wie der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. Demnach blieb der angegriffene Polizist unverletzt.

In Hebron im besetzten Westjordanland griff eine Palästinenserin eine Polizistin mit einem Messer an und verletzte sie leicht. Die Beamtin erschoss die 17-jährige Angreiferin mit ihrer Waffe.

Zweifel an offizieller Version

Wenige Stunden zuvor hatte ein Siedler in Hebron einen 18-jährigen Palästinenser mit Schüssen getötet. Nach Darstellung des israelischen Militärs hatte der junge Palästinenser den Siedler, der unverletzt blieb, mit einem Messer bedroht.

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Palästinensische Quellen äusserten Zweifel an dieser Version des Hergangs. Aktivisten der palästinensischen Gruppe «Jugend gegen Siedlungen» stellten ein Video ins Internet, das zu zeigen scheine, wie israelische Soldaten nachträglich ein Messer neben den niedergeschossenen Palästinenser legen.

Das israelische Militär nahm wenig später einen palästinensischen Augenzeugen des Vorfalls fest und beschlagnahmte seine Video-Ausrüstung, berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Auch der Koordinator von «Jugend gegen Siedlungen», Ahmed Amr, wurde vom Militär festgenommen.

Nach einem Messerangriff auf Grenzschützer am Übergang Kalandija im Norden Jerusalems wurde ein vierter Palästinenser erschossen. Der Beamte habe den Angreifer am Samstag zunächst angeschossen; als dieser einen weiteren Angriffsversuch unternommen habe, habe er ihn getötet, sagte Polizeisprecherin Luba Samri.

500 Siedler unter 200'000 Palästinensern

In Hebron leben 500 jüdische Siedler abgeschottet unter 200'000 Palästinensern. Die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis hatten zuletzt wieder deutlich zugenommen, insbesondere in den von Israel besetzten Gebieten Westjordanland und Ost-Jerusalem.

Bei Angriffen von Palästinensern starben seit Monatsbeginn sieben Israelis. Auf palästinensischer Seite gab es rund 40 Tote, darunter mehrere mutmassliche Angreifer und steinewerfende Demonstranten.

In Hebron lieferten sich palästinensische Demonstranten am Samstag wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften. Im nahegelegenen Dorf Dura nahmen mehrere hundert Menschen am Begräbnis eines Palästinensers teil, der sich am Freitag als Pressefotograf ausgegeben und einen Soldaten mit einem Messer verletzt hatte.

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Kerry und Obama zeigen sich besorgt

Die USA verstärkten unterdessen ihre Anstrengungen für eine Deeskalation: US-Aussenminister John Kerry telefonierte am Freitag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, wie ein US-Diplomat mitteilte.

Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich sehr beunruhigt über die jüngste Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Er rief Netanjahu und Abbas auf, auf Äusserungen zu verzichten, «die Gewalt oder Wut oder Missverständnisse nähren könnten».

Obama sieht Israel im Recht

Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Aussenministerium hatte von «exzessiver Gewaltanwendung» gesprochen und beiden Seiten Terrorakte vorgeworfen. Das Verhältnis von Obama und Netanjahu gilt seit langer Zeit als belastet.

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Obama stellte aber erneut klar, dass Israel ein Recht habe, seine Bürger vor Messerattacken und Gewalt auf den Strassen zu schützen. «Alle müssen sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen getötet werden», sagte er.

(sda/gku)