Die Schweizer Milchproduzenten schlagen Alarm. Die Milchpreise seien so tief, dass viele Bauern nicht mehr kostendeckend produzieren könnten. Nach dem Krisen-Milchgipfel vom Freitag in Bern fordert die Branche verschiedene Massnahmen, von einer Marketingoffensive bis zu höheren Tierwohlbeiträgen.

Die Lage sei für viele Bauern dramatisch, warnte Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois vor den Medien in Bern. Der Milchpreis bewege sich auf dem Niveau von vor fünfzig Jahren. Der Preis von Molkereimilch, aus der etwa Konsummilch und Joghurt hergestellt wird, sei auf einem Rekordtief. «Mit den aktuellen Milchpreisen verlieren momentan viele Betriebe Geld mit jeder Arbeitsstunde in der Milchproduktion.»

3000 Betriebe zurückgegangen

Allein in den vergangenen vier Jahren sei die Anzahl der Milchproduzenten um 13 Prozent zurückgegangen, was rund 3000 Betrieben entspreche. Und auch für die nahe Zukunft sieht Bourgeois schwarz: Die Einkommenssituation der Milchbauern werde sich auch dieses Jahr dramatisch verschärfen.

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Ein Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) vom Februar nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung: So sei die Produktion im In- und Ausland gestiegen, gleichzeitig seien die Preise auf den Weltmärkten gesunken, namentlich für Milchpulver und Butter. Zudem mache die Frankenstärke den Schweizer Milchproduzenten zu schaffen.

Höhere Tierwohlbeiträge

«Alle sind sich einig, so kann es nicht weitergehen», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter nach dem Treffen, an dem neben den Produzenten auch Verarbeiter und Detailhandel teilgenommen hatten. Gemeinsam mit den Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Branchenorganisation Milch (BOM) stellt der Bauernverband mehrere Forderungen.

Als Sofortmassnahme sollen unter anderem die Tierwohlbeiträge, die für regelmässigen Auslauf im Freien bezahlt werden, erhöht werden. Damit könne die Einkommenssituation der Produzenten direkt verbessert werden, sagte Ritter. Die Massnahme sei über eine Verordnungsänderung noch dieses Jahr umsetzbar.

Als kurzfristige Massnahme fordern die drei Organisationen zudem eine zusätzliche Marketingoffensive im Inland. Beim zuständigen Bundesamt stossen sie damit auf offene Ohren. Der Bund sei bereit, sehr schnell zu reagieren, sagte BLW-Vizedirektor Dominique Kohli anlässlich der Medienkonferenz. Man warte auf ein entsprechendes Gesuch der SMP.

Grundsätzliche Prüfung

Ebenfalls schnell umgesetzt werden soll eine Anpassung bei den Milchkaufverträgen. Menge und Preis für die besser bezahlte, fürs Inland produzierte A-Milch sollen in den Verträgen verbindlicher festgelegt werden. Das ermögliche den Milchproduzenten, selber zu entscheiden, ob sie zusätzliche Mengen für den weniger gut bezahlten Export liefern wollten, sagte Bourgeois. «Die klaren Vertragsvorgaben führen zu einer Mengeneindämmung und zu Preisstabilität.»

Neben den Sofortmassnahmen fordern die drei Organisationen eine grundsätzliche Überprüfung der Milchpolitik. Die heutigen Rahmenbedingungen für den Molkereimilchmarkt seien nicht mehr ausreichend, schreiben sie in einer Medienmitteilung.

Nachfolgelösung für Schoggigesetz

Unter anderem brauche es mittelfristig eine «milchspezifische» Nachfolgelösung für das sogenannte Schoggigesetz, mit welchem gewisse Schweizer Exporte subventioniert werden. Auf Druck der Welthandelsorganisation WTO müssen diese Beiträge bald abgeschafft werden.

Der tiefe Milchpreis beschäftigt die Bauern schon länger. Im vergangenen Jahr ist er im Durchschnitt um 10,6 Prozent auf knapp 60 Rappen pro Kilogramm gesunken. Besonders stark war der Rückgang bei der Molkereimilch und der verkästen Milch, wie aus dem «Marktbericht Milch» des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) hervorgeht.

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Im Februar dieses Jahres lag der Molkereimilchpreis gemäss SMP noch bei lediglich 55,87 Rappen pro Kilogramm. Kaum von den Preissenkungen betroffen ist die Biomilch.

(sda/me)