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Politik

Milliardär gründet Partei in Österreich - und zahlt in Zug

Frank Stronach will Wiens Politik aufmischen. Selber bietet er einige Angriffsflächen. (Bild: Keystone)

Frank Stronach stellte heute eine neue österreichische Partei vor. Der Industriemagnat macht sich um unser Nachbarland grosse Sorgen, zahlt die Steuern aber lieber hier. Sein Konzern Magna wollte bei

Von Christian Bütikofer
am 27.09.2012

Der Austro-Kanadier Frank Stronach hat seine neue Partei «Team Stronach» vorgestellt, mit der er im kommenden Jahr bei der österreichischen Parlamentswahl antreten will. Als programmatischen Schwerpunkt nannte der Milliardär in Wien eine radikale Umstrukturierung der Eurozone.

Stronach will weiter einen entschiedenen Kurs gegen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fahren. «Entweder ist sie so dumm oder sie spielt bei den Banken mit», sagte der Gründer und frühere Chef des kanadisch-österreichischen Autozulieferkonzerns Magna über den Umgang der Kanzlerin mit der Euro-Krise.

Der millionenschwere Industrielle und Euroskeptiker sagte, die Eurozone funktioniere in ihrer derzeitigen Form nicht. Zwar sei sein Parteiprogramm noch nicht vollständig ausgearbeitet, «eine Lösung» könne aber sein, dass die 17 Eurostaaten zwar den Euro behielten, sich der Wert der Währung jedoch von Land zu Land unterscheide.

«Ich bin für ein starkes Europa», sagte der 80-Jährige auf Deutsch mit starkem kanadischen Akzent. Die Einheitswährung lehne er jedoch ab. «Schulden sind schlecht», sagte Stronach. Jeder Bauer wisse, dass er, wenn er mehr ausgebe als er einnehme, seinen Bauernhof verlieren werde.

Liberales Parteiprogramm

Das Parteiprogramm von Team Stronach soll nach Angaben des Parteigründers Anfang April vorliegen. Bereits jetzt kündigte Stronach an, Bürokratie abbauen und Steuern senken zu wollen.

Umfragen zufolge könnte Team Stronach bei der Wahl zwischen zehn und zwölf Prozent erzielen und damit die Vier-Prozent-Hürde deutlich überspringen. In einer von der Zeitung «Der Standard» veröffentlichten Umfrage gaben gar 40 Prozent der Befragten an, sich die Partei in der Regierung zu wünschen.

Frank Stronach wurde 1932 als Franz Strohsack in eine Arbeiterfamilie im steirischen Kleinsemmering geboren. Mit 25 wanderte der gelernte Werkzeugmacher nach Kanada aus, begann mit der Reparatur von Autos und gründete dann eine eigene Firma, die er zum heute international tätigen Konzern Magna International mit 74'000 Mitarbeitern machte.

Österreichs Graue Eminenz

Als der deutsche Autokonzern Opel so tief in der Krise war, dass die Mutter GM ihn loswerden wollte, versuchte das Umfeld des deutschen Ex-Kanzlers Gerhard Schröder, Stronachs Magna als Retterin in der Not zu portieren. Stronach gilt in Österreich als Graue Eminenz - an ihm gehe kein Weg vorbei, berichten Insider. Das österreichsiche Nachrichtenmagazin «News» fragte in der Vergangenheit: «Kauft dieser Mann die ganze Republik?» Stronach wird in Wien auch schon mal als Mini-Berlusconi betitelt - mit der Parteigründung macht er dieser Bezeichnung nun alle Ehre.

Der Innsbrucker Politologe Anton Pelinka wird im Buch «Gangsterwirtschaft» des deutschen investigativen Journalisten Jürgen Roth folgendermassen zitiert: «Jetzt erleben wir zum ersten Mal, dass die Wirtschaft sich die politischen Eliten an der Leine hält. Stronach kauft sich mit einer überraschenden Direktheit, man könnte sagen, Schamlosigkeit, die politischen Eliten. Und die lassen sich das gefallen.»

«Bei uns werden gute Politiker immer Arbeit finden»

Stronach hält sich gerne Ex-Spitzenpolitiker. Als Türöffner für seine hochtrabenden Pläne holte sich Stronach ehemalige Minister und Jungpolitiker in sein Unternehmen, unter anderem den ehemaligen Kanzler Franz Vranitzky (SPÖ) und mehrere Mitglieder von Jörg Haiders rechtsnationalen FPÖ.

Ebenfalls im Magna-Aufsichtsrat anzutreffen war der Aufsichtsratschef der Bank Austria, Gerhard Randa. Als Topmanager durfte wiederum der frührere SPÖ-Geschäftsführer Andreas Rudas bei Magna die Fäden ziehen.

Auch der spätere Finanzminister Karl-Heinz Grasser kam bei Magna unter. Gegen Grasser laufen Untersuchungen wegen Korruptionsanschuldigungen - auch in der Schweiz ist ein Rechtshilfegesuch pendent. Für tüchtige Politiker habe es in seiner Firma immer Platz, ist ein bekanntes Bonmot Stronachs: «Bei uns werden gute Politiker jedenfalls immer Arbeit finden.»

Umstrittener Oligarch Ex-Teilhaber

Bis zur Finanzkrise 2009 hielt der russische Oligarch Oleg Deripaska einen Teil an Stronachs Magna. Oleg Deripaska machte sich auch in der Schweiz durch - bisher erfolglose - Klagen gegen einen Gegner einen Namen. Letzte Woche sorgte hier etwa ein geleaktes Dokument seines Öffentlichkeits-Managers Thomas Borer für Schlagzeilen.

Der «Tages-Anzeiger» berichtet, dass Stronach sein Schweizer Vermögen geheim hält, aber Transparenz und strenge Regeln für Politiker fordert. Er sei ein grosser Fan der Schweiz, lässt ein Sprecher Stronachs Journalisten wissen. Der Bitte, seine Firmenkonstruktion in Zug zu erläutern, wurde dem «Tages-Anzeiger» dann aber nicht mehr entsprochen.

Unter den 300 Reichsten der Schweiz

Stronachs Vermögen liegt im Steuerparadies Zug. In der von der BILANZ jährlich veröffentlichten Liste der 300 Reichsten der Schweiz lag er 2011 mit 1,75 Milliarden Franken Vermögen auf Platz 83. Die BILANZ gehört wie die «Handelszeitung» zum Verlag Axel Springer Schweiz.

Stronach ist in Zug an der Industriestrasse 13b gemeldet und besitzt in Cham ZG die Firma Stronach & Co. An ihr ist die Enzian Investments Ltd. mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey beteiligt - sie bekommt den gesamten Firmengewinn. Wie hoch der ausfällt, lässt sich nur schätzen. Stronach soll jährlich zwischen 20 und 35 Millionen Dollar als Beratungshonorar von Magna kassiert haben.

(Mit Material der Nachrichtenagentur SDA)

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