Thomas Minder will sich nach seinem Sieg über die Abzocker und über die Wirtschaftselite nicht lange ausruhen. Bereits ruft das nächste Thema: das hohe Bevölkerungswachstum. «Die massive Zuwanderung ist ein Problem. Wir müssen sie regeln», sagt Minder zur Zeitung «Der Sonntag». «So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Ich unterstütze die Ecopop-Initiative.»

Damit schlägt sich schon der zweite erfolgreiche Einzelkämpfer auf die Seite des grün-rechten Initiativekomitees, das Bevölkerungswachstum hierzulande auf 0,2 Prozent begrenzen will. Auch Umweltschützer Franz Weber, der im Sommer 2012 mit der Annahme seiner Zweitwohnungsinitiative seinen grössten Erfolg feiern konnte, will die «Überbevölkerung» im Lande stoppen und unterstützt das Ecopop-Volksbegehren.

«Man spürt es überall»

Nur eine Woche nach der Annahme der Abzocker-Initiative bahnt sich damit das nächste Duell zwischen Thomas Minder und Economiesuisse an. Im gegenüber dem «Sonntag» gibt sich Pascal Gentinetta allerdings zuversichtlich: «Wir stehen für eine offene Zuwanderungspolitik ein, denn wir sind aus wirtschaftlichen Überlegungen auf sie angewiesen», sagt der Direktor des Wirtschaftsverbands. Engpässe bei Infrastruktur und Wohnraum seien Begleiterscheinungen des wirtschaftlichen Erfolgs der Schweiz und des damit verbundenen Wachstums, weniger der Zuwanderung.

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Anderer Meinung ist Thomas Minder. Er findet eine Bevölkerungszunahme von rund 80'000 Menschen pro Jahr zu viel. Die «massive Zuwanderung» sei ein Problem. «Man spürt es überall», betont Minder. Die Unzufriedenheit steige auch gegenüber gut ausgebildeten Einwanderern, gegenüber den Deutschen. «Es brodelt, nicht nur am Stammtisch, sondern auch bei sonst sehr toleranten Personen.»

Arbeiten bis ins hohe Alter

Der Ärger in der Bevölkerung sei sehr hoch. «Die Politik muss die Signale jetzt ernst nehmen», warnt Minder. Es sei gut, dass das Thema jetzt auf den Tisch komme. Mit der Ecopop-Initiative, aber auch mit der Massenzuwanderungsinitiative der SVP und einem bereits angedrohten Referendum gegen die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien.

Economiesuisse sieht durch die Initiativen die wirtschaftliche Entwicklung bedroht. «Wenn wir wachsen wollen, dann brauchen auch wir die entsprechenden Arbeitskräfte.» Die Folge davon sei mehr Geld für die Sozialversicherungen und für die Staatskasse, womit wiederum der Service public bezahlt würde.

Und Gentinetta droht: «Will die Schweiz wirtschaftlich ohne Zuwanderung wachsen, dann geht es nur mit längerem Arbeiten bis ins hohe Alter.»

(jev)