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Gewalt
Mindestens 25 Tote in der Ukraine

Bei Strassenkämpfen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind in der Nacht mindestens 25 Menschen gestorben. Vermittlungsgespräche verliefen ergebnislos. Auch die Finanzmärkte spüren die Auswirkungen.

Veröffentlicht am 19.02.2014

Die Gewalt eskaliert: Bei den Strassenkämpfen in der Ukraine sind bisher mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium in Kiew teilte mit, dass neun Polizisten und mehr als ein Dutzend Demonstranten bei den Ausschreitungen starben.

Zudem wurde ein Journalist von unbekannten Maskierten erschossen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden ausserdem 241 Menschen mit Verletzungen in Spitäler gebracht. Unter den Verletzten waren 79 Polizisten und 5 Journalisten.

Janukowitsch verteidigt Einsatz von Gewalt

Präsident Viktor Janukowitsch verteidigte den Einsatz von Gewalt. Die Opposition habe die Grenzen überschritten, als sie ihre Anhänger auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew zu den Waffen gerufen hätten. Es handle sich um «Kriminelle, die vor Gericht gehören». Das zentrale Gewerkschaftshaus am Maidan, das der Opposition als Hauptquartier diente, musste wegen eines schweren Brandes evakuiert werden. Etwa 40 Menschen wurden nach Darstellung des eigenen medizinischen Dienstes des Maidan in Sicherheit gebracht.

Augenzeugen zufolge war die Lage am Morgen zunächst etwas ruhiger. Beide Seiten standen sich weiter gegenüber, mit gelegentlichen Zusammenstössen.

Vitali Klitschko enttäuscht über Gespräche

Der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko zeigte sich enttäuscht über den ergebnislosen Verlauf eines nächtlichen Krisentreffens. Janukowitsch reagiere unpassend auf die Lage. Der prorussische Präsident müsse die Einheiten sofort zurückziehen. Weitere Gespräche mit Janukowitsch schloss Klitschko vorerst aus. «Welche Verhandlungen kann es geben, wenn Blut vergossen wird?», sagte der Ex-Boxweltmeister. Janukowitsch warf den Regierungsgegnern seinerseits den Versuch einer gewaltsamen Machtübernahme vor. Sollten sich die Oppositionsführer nicht von radikalen Kräften distanzieren, werde er «andere Töne anschlagen», drohte der Präsident.

Finanzmarkt kommt ins Trudeln

Die Eskalation der Gewalt zwischen Regierung und Opposition in der Ukraine macht sich auch am Finanzmarkt des Landes bemerkbar. Versicherungen gegen einen Ausfall ukrainischer Staatsanleihen verteuerten sich am Mittwoch sprunghaft. Die Risikoaufschläge, die für eine Anlage in staatlichen Schuldtiteln verlangt werden, legten ebenfalls deutlich zu. Die Rendite der zweijährigen, auf Dollar lautenden Anleihe des Landes stieg am Mittwochvormittag um 87 Basispunkte auf 16,3 Prozent und knüpfte damit an den starken Anstieg seit Beginn der Woche an.

Am Devisenmarkt stand die Landeswährung Hrywnja unter Druck, zum US-Dollar verlor sie fast zwei Prozent. Am Aktienmarkt ging es den zweiten Tag in Folge deutlich abwärts.

(sda/me/sim)

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