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Bluttat
Mindestens drei Tote bei Anschlag auf Boston Marathon

Zwei Explosionen haben beim Boston Marathon mindestens drei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt. Das Präsidialamt spricht von einem «Akt des Terrors».

Veröffentlicht am 16.04.2013

Bei einem Bombenanschlag auf den weltbekannten Boston-Marathon sind mindestens drei Menschen getötet worden. Mehr als 100 weitere Menschen wurden durch zwei fast zeitgleiche Explosionen während des Grossereignisses in der US-Ostküstenmetropole am Montag verletzt, einige von ihnen schwer, wie die Behörden mitteilten.

Aus Regierungskreisen hiess es, die Tat werde als Terroranschlag eingestuft. Der Hintergrund blieb aber zunächst unklar. Präsident Barack Obama erklärte noch am Abend in einer kurzen Live-Ansprache im Fernsehen, man wisse noch nichts über Täter oder Motiv, werde die Verantwortlichen aber zur Rechenschaft ziehen. Es ist der schwerste Bombenanschlag in den USA seitdem die Sicherheitsvorkehrungen nach den Attentaten vom 11. September 2001 erhöht wurden.

Die US-Börsen weiteten als Reaktion ihre Verluste aus und schlossen deutlich im Minus. Auch die Märkte in Fernost verbuchten zu Handelsbeginn Verluste.

Achtjähriger soll unter den Opfern sein

An dem ältesten Marathon-Lauf der Welt nahmen rund 23'000 Sportler teil, eine halbe Million Zuschauer säumte die Strassen. Die Explosionen ereigneten sich am Nachmittag (Ortszeit) rund 100 Meter und nur wenige Sekunden voneinander entfernt, als Hobby-Läufer gerade die Ziellinie überquerten. Die Spitzenläufer waren schon längst im Ziel. «Es klang wie ein Überschallknall», sagte eine Teilnehmerin des Marathons, der erstmals 1897 ausgetragen wurde. «Ich zittere immer noch.»

Auf TV-Bildern waren Blutflecken am Boden zu sehen. Mehrere Läufer wurden offenbar durch die Wucht der Explosion zu Boden gerissen. «Ich sah Menschen, die aussahen, als hätte es ihre Beine weggerissen. Überall an ihren Beinen war viel Blut. Sie wurden in Rollstühlen weggebracht», sagte ein anderer Läufer.

Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, sprach von vielen Schwerverletzten. Unter den Toten soll auch ein achtjähriger Junge sein. Die Bundespolizei FBI übernahm die Leitung der Ermittlungen. Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge fanden die Ermittler im Grossraum Boston fünf Objekte, bei denen es sich um nicht explodierte Sprengsätze handeln könnte. Ein FBI-Sprecher wollte sich nicht dazu äussern. Festnahmen gab es zunächst keine.

Läufer und Zuschauer spenden Blut

Ein Mitarbeiter des Präsidialamts sagte, es sei noch nicht klar, ob die Verantwortlichen aus dem In- oder Ausland kämen. «Jeder Vorfall mit mehreren Bomben - und das scheint hier der Fall zu sein - ist klar ein Akt des Terrors.» Die Bomben explodierten am Patriot's Day, wenn die USA am dritten Montag im April ihrem Unabhängigkeitskrieg gedenken.

Das Massachusetts General Hospital erklärte, es würden in der Notaufnahme 19 Opfer der Explosionen behandelt. Sechs davon befanden sich einer Sprecherin zufolge in kritischem Zustand. Teilnehmer des Marathons und andere Bürger eilten in die Kliniken, um Blut zu spenden. Mehreren Verletzten mussten Ärzten zufolge Gliedmassen amputiert werden. In einer Kinderklinik wurde ein zweijähriges Kind wegen einer Kopfverletzung behandelt.

Obama wurde nach Angaben des Präsidialamts von FBI-Chef Robert Mueller und Heimatschutzministerin Janet Napolitano über die Ereignisse informiert. Die Regierung werde jede Hilfe zur Verfügung stellen, die bei den Ermittlungen benötigt werde. Obama sagte, er habe die Bundesbehörden angewiesen, die Sicherheitsmaßnahmen in den USA, wo es nötig sei, zu erhöhen. Auch die Behörden in den Städten New York und Washington kündigten solche Schritte an.

Keine Drohungen bekannt

Die Bostoner Polizei erklärte, ihr seien vor den Explosionen keine konkreten Drohungen bekannt gewesen. Die Beamten wurden angewiesen, alle zurückgelassenen Gegenstände in den Strassen als verdächtig einzustufen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte den Luftraum über dem Marathon-Ziel vorübergehend. Der Bostoner Flughafen war von den Beschränkungen aber nicht betroffen. Von dort starteten am 11. September 2001 die beiden Maschinen, die Islamisten in das New Yorker World Trade Center steuerten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich in einer ersten Reaktion erschüttert. Es handele sich um einen schrecklichen und sinnlosen Akt der Gewalt.

Eine Stunde nach den Explosionen brach ein Feuer in der John-F.-Kennedy-Bibliothek in einem anderen Bostoner Stadtteil aus. Dabei wurde aber niemand verletzt. Zudem war unklar, ob es einen Zusammenhang mit den Explosionen an der Marathon-Strecke gibt. Die Bibliothek ist mehrere Kilometer von der Marathon-Ziellinie entfernt. Sie beherbergt Dokumente und Bücher zur Amtszeit des Präsidenten und dient auch als Museum.

«Wir sitzen geschockt im Hotel»

Die deutsche Läuferin Sabrina Mockenhaupt, die am Lauf teilgenommen hatte und den zehnten Platz bei den Frauen belegte, twitterte: «Ich bin ok. (...) Wir wissen auch nicht mehr als die Infos, die im TV laufen. Wir sitzen geschockt im Hotel.»

Bei dem Marathon waren nach Angaben der Organisatoren 23'326 Läufer am Start. Davon seien 17'584 vor den Explosionen im Ziel gewesen. Der Wettkampf wurde abgebrochen. Das Boston Symphony Orchester sagte ein für den Abend geplantes Konzert ebenso ab wie die Eishockeymannschaft der Boston Bruins ihr Heimspiel.

(tno/muv/reuters/sda)

Dieses Video nahm ein Zuschauer während einer der Explosionen auf:
 

 

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