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Debatte
Mindestlohn: Wird die Schweiz jetzt sozialistisch?

Die Schweizerinnen und Schweizer werden den Mindestlohn voraussichtlich ablehnen. Die Gewerkschaften scheinen dennoch zufrieden. Das Ausland staunt über die Schweizer Lohnvorstellungen.

Von Mathias Ohanian
am 14.05.2014

Wenn am Sonntag über den Mindestlohn abgestimmt wird, werden die Schweizer Gewerkschaften feiern. Egal wie die Schweizerinnen und Schweizer entschieden haben. Wahrscheinlich wird sogar dann gefeiert, wenn die Initiative, so wie es die letzten Umfragen vermuten lassen, klar abgelehnt wird. Denn nach Wochen des hartnäckig geführten Abstimmungskampfes sehen sich die Gewerkschaften schon heute bestätigt.

Die Arbeit scheint sich – zumindest teilweise – bezahlt zu machen: Textilfirmen wie Benetton und Zara wurden öffentlich als vermeintliche Lohndrücker gebrandmarkt. Konzerne wie Aldi, Lidl und H&M kündigten in den vergangenen Monaten bereits an, jedem voll beschäftigten Mitarbeiter im Monat 4000 Franken im Monat zahlen zu wollen. Auf die Stunde gerechnet sind das 22 Franken.

Das Ausland staunt über die Schweizer Gewerkschaften

Das ist bekanntlich so viel wie nirgends sonst rund um den Globus. Entsprechende Aufmerksamkeit erhält das Thema in diesen Wochen auch im Ausland. Deutschlands grösste Zeitung, das Boulevardblatt «Bild», fragt erstaunt: Gibt es bald 3300 Euro Mindestlohn? Angesichts eines derzeit in Deutschland diskutierten Mindestlohns von branchenweit 8,50 Euro scheint diese Summe geradezu utopisch. Und auch in Frankreich hakt man beim TV-Sender «France 24» nach: Könnte die Schweiz nach Lohnobergrenze und Mindestlohn nun sozialistisch werden?

Die Debatte erreichte in den vergangenen Wochen sogar Länder wie Indien und China. Bei der «South China Morning Post» legte man den Fokus insbesondere auf die Befürchtung der Arbeitgeber, ein so hoher Mindestlohn könnte in einigen Branchen massenhaft Jobs vernichten.

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