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Mit diesem Plan will sich Saudi-Arabien vom Öl lösen

Der tiefe Ölpreis weckt in Saudi-Arabien den Reformeifer: Das Königreich will seine Abhängigkeit vom schwarzen Gold verringern. Nun hat die Herrscherfamilie erstmals verraten, wie dies gelingen soll.

Veröffentlicht am 25.04.2016

Der weltgrösste Ölexporteur Saudi-Arabien plant einen tiefgreifenden Umbau seiner Wirtschaft. Das Königreich will seine Abhängigkeit von den zuletzt schwindenden Rohstoffeinnahmen verringern und seinen Wohlstand mit verstärkten Auslandsinvestitionen langfristig sichern. Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman erläuterte dazu am Montag das ehrgeizige Reformprojekt mit dem Namen «Vision 2030».

Dessen Ziele bedeuten auch erhebliche soziale Änderungen in dem sehr konservativ geprägten muslimischen Land. So soll der Anteil der Frauen im Arbeitsleben auf 30 von derzeit 22 Prozent steigen, nachdem er in den vergangenen fünf Jahren bereits deutlich zulegte. Ferner sollen Araber und Muslime aus dem Ausland künftig mit grosszügigen Aufenthaltserlaubnissen bessere Jobchancen bekommen.

Weniger abhängig vom Öl

«Ich glaube, 2020 können wir auch ohne Öl auskommen», sagte Prinz Mohammed in dem mit Spannung erwarteten Fernsehinterview. Nicht erst seit dem Ölpreisverfall ab 2014, der tiefe Löcher in den Staatshaushalt reisst, steht Saudi-Arabien unter Druck, eine Zukunft zu entwerfen, in der das Land dem Geschäft mit dem Schwarzen Gold nicht mehr ausgeliefert ist.

Die Hoffnungen ruhen nun insbesondere auf dem mächtigen Staatsfonds PIF. Dessen Vermögen soll durch einen umfassenden Umbau auf umgerechnet 2000 Milliarden von 160 Milliarden Dollar ausgebaut werden. PIF soll der Dreh- und Angelpunkt für die Auslandsinvestitionen werden. «Erste Daten zeigen, dass der Fonds mehr als zehn Prozent der weltweiten Anlagekapazitäten kontrollieren wird», erläuterte Prinz Mohammed.

Rekord-Börsengang geplant

Zentrales Vorhaben ist, aus dem Ölgeschäft durch den voraussichtlichen Rekord-Börsengang des staatlichen Konzerns Aramco Geld zu machen. Das Unternehmen soll mit mehr als 2000 Milliarden Dollar bewertet werden. Das wäre etwa doppelt so viel wie die aktuellen Marktkapitalisierungen von Apple und Google zusammen. Bis zu fünf Prozent der Aramco-Aktien sollen gelistet werden. Selbst wenn nur ein Prozent der Anteile angeboten würden, wäre Aramco das grösste Aktienmarktdebüt aller Zeiten, sagte der für die Wirtschaftspolitik zuständige 31-jährige Vize-Kronprinz, dessen Vater vor 15 Monaten König wurde.

Bereits früher angekündigt wurden Pläne, die ausufernden Staatsausgaben zu zügeln, durch die Einführung einer Mehrwertsteuer und Privatisierungen neue Einnahmequellen zu erschliessen sowie den Bildungssektor zu reformieren. Der Anteil des Privatsektors an der Wirtschaftsleistung soll auf 60 von 40 Prozent gesteigert werden. Die Arbeitslosenquote soll auf 7,6 von elf Prozent sinken. Details dazu wurden von Prinz Mohammed nicht präsentiert. Ebenso blieb unklar, ob es Änderungen im politischen System der absoluten Monarchie geben soll.

(reuters/mbü)

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