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«Mit unserem PID-Verbot sind wir in Europa isoliert»

Alain Berset: «Mit unserem PID-Verbot sind wir heute in Europa isoliert»  Keystone

Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset wehrt sich gegen die Vorwürfe, dass die Untersuchung von Embryonen ethisch fragwürdig sei. Mit der heutigen Situation sei die Schweiz in Europa isoliert.

Veröffentlicht am 19.04.2015

Bundesrat und Parlament möchten die genetische Untersuchung von menschlichen Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstanden sind, in einem klar begrenzten Rahmen zulassen. Dadurch sollen Paare, die Träger einer schweren Erbkrankheit sind, Kinder bekommen können, die von dieser Krankheit nicht betroffen sind. Zudem sollen Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, eine bessere Chance erhalten, ein eigenes Kind zu bekommen.

Um die Präimplantationsdiagnostik (PID) erfolgversprechend durchführen zu können, muss zunächst die Verfassung angepasst werden. Die Abstimmung darüber findet am 14. Juni statt.

Isoliert in Europa

Gesundheitsminister Alain Berset wirbt nun für die Sache des Bundesrates. «Wer gegen die PID ist, müsste auch gegen Pränataluntersuchungen und legale Schwangerschaftsabbrüche sein. Beide Möglichkeiten bestehen aber heute, die Fristenlösung wurde in Volksabstimmungen mehrmals bestätigt», sagt der SP-Bundesrat im Interview mit dem «SonntagsBlick».

«Mit unserem PID-Verbot sind wir heute in Europa isoliert», führt Berset weiter aus. Paare gingen deshalb für die Tests ins benachbarte Ausland. «Mir wäre lieber, es gäbe diesen Fortpflanzungstourismus nicht und wir könnten die PID nach unseren eigenen Regeln durchführen.»

Ethisch nicht fragwürdig

Der Bundesrat wehrt sich auch gegen den Vorwurf, dass die Vorlage ethisch fragwürdig sei. Das Nein-Komitee argumentiert, die PID sei ein Instrument der Selektion zwischen wertvollem und minderwertigem Leben. Dies führe zu einer Diskriminierung von Menschen mit einer Behinderung, «indem sie als unerwünschte und vermeidbare Risiken betrachtet werden», wie die Organisation auf ihrem Internetauftritt schreibt.

Es gehe «auf keinen Fall» darum, dass behinderte Menschen weniger wert seien als nicht behinderte, sagt der Gesundheitsminister. «Vor meiner Zeit als Bundesrat habe ich eine Vereinigung für behinderte Menschen präsidiert, ich bin also sensibilisiert.»

«Die Tests sind freiwillig»

Vehement wehrt sich Berset auch gegen das Argument, wonach die PID in sich die Gefahr berge, dass Eltern in ihrer Freiheit beschnitten werden. «Die Zulassung der PID schafft einen gesellschaftlichen Druck zur Verhinderung behinderten Lebens», meint das Nein-Kommitee. «Die Tests sind freiwillig», entgegnet der Bundesrat, «Niemand wird dazu gezwungen.»

Dass die Lockerung der Fortpflanzungsmedizin der Auftakt zu weiteren Liberalisierungsschritten sei, glaubt der Gesundheitsminister nicht. Auf die Frage, ob er garantieren könne, dass es mit diesem Entscheid nicht rasch zu weiteren Lockerungen kommen werde, sagt Berset: «Ja, weil über jeden Schritt wieder abgestimmt werden kann. Wir sind wohl das einzige Land, wo die Bürgerinnen und Bürger über die Zulassung der PID entscheiden können. Darauf dürfen wir stolz sein.»

(ise)

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