SVP-Nationalrat Mörgeli sagte im «SonntagsBlick», er «verstehe den missionarischen Eifer» nicht, mit dem die Universitäten eine Säuberung «von den letzten SVP-Exponenten» anstrebten. Der frisch gekündigte Kurator des Medizinhistorischen Museums Zürich ist überzeugt, Opfer einer politisch motivierten Intrige zu sein.

Er sei mit gezielten Indiskretionen diffamiert worden, mit dem Ziel, seine Entlassung zu provozieren. Aus diesem Grund müssten jetzt «sämtliche Datenbanken, Mailverkehr und Telefonnachweise» seines Chefs, Professor Flurin Condrau, «und Konsorten» untersucht werden, sagte der Medizinhistoriker und SVP-Politiker.

SVP-Chefstratege Christoph Blocher sieht es genauso. Die «Alt-68er» hätten sich breitgemacht, sagte er in der «SonntagsZeitung». Die liessen eine andere politische Meinung nicht zu.

Blocher stellte politische Schritte in Aussicht. Das Zürcher Kantonsparlament müsse den Gesamtregierungsrat zu einer Stellungnahme zum Fall Mörgeli zwingen. Diese sei dann zu hinterfragen. «Wir verlangen echten parteipolitischen Proporz im Universitätsrat» (dem Uni-Aufsichtsgremium). Man müsse auf die Hochschulen jetzt «ein besonderes Augenmerk» halten.

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Uni: Keine politischen Gründe

Die Vorwürfe, Mörgelis Kündigung sei politisch motiviert, stellte die Universitätsleitung stets entschieden in Abrede. Es gehe bei der Kündigung und Freistellung Mörgelis um dessen Leistungen als Museumskurator und um dessen Verhalten, nachdem die Kritik öffentlich bekannt geworden waren.

Wie Uni-Rektor Andreas Fischer in der «NZZ am Sonntag» sagte, kann allerdings die SVP-Haltung auf die Uni zurückschlagen, etwa, wenn die Partei «gegen die Deutschen an der Universität wettert». Die Veröffentlichung des akademischen Berichts hätte nicht sein dürfen, sagte Fischer. Man werde nun «den Umgang mit vertraulichen Berichten überdenken».

Auf die Frage, ob der «Fall Mörgeli» auch ein Führungsproblem der Uni sei, räumte Fischer ein: «Im Rückblick hätte man vielleicht früher eingreifen sollen.»

Bekannt ist, dass an der Uni unbehelligt renommierte Professoren lehren und lehrten, die kein Hehl aus ihrer SVP-Zugehörigkeit machen. Gemäss «Tages-Anzeiger» vom Samstag sind das etwa der Rechtswissenschaftler Hans-Ueli Vogt und der emeritierte Wirtschaftswissenschaftler Hans Geiger. Auch Strategie-Spezialist Albert A. Stahel gehörte der SVP an, bevor er zur GLP wechselte.

Sorge um öffentliche Mittel

Zur Kritik an seiner Leistung als Kurator räumte Mörgeli gegenüber der «Berner Zeitung» vom Samstag ein, es gebe «immer Dinge, die man verbessern» könne. Mit Rücksicht auf die öffentlichen Mittel habe er es als Staatsangestellter aber nicht verantworten können, «dass wir alle paar Jahre die ständige Ausstellung für Millionen neu einrichten» oder die Magazine «vergolden».

Mörgeli betrachtet sich nicht als gekündigt. Er geht davon aus, das medizinhistorische Museum auch künftig zu leiten, wie er zu «SonntagsBlick» und «Berner Zeitung» sagte. Sicher werde er seine Vorlesungen an der Uni weiter halten. Dies ist ihm unbenommen: Titel und Funktion als Titularprofessor sind von der Kündigung nicht tangiert.

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Jean Ziegler: «So nicht»

Sukkurs erhielt Mörgeli am Sonntag von unerwarteter Seite, vom Genfer Soziologie-Professor und SP-Politiker Jean Ziegler. Es gehe nicht an, dass ein negativer, vertraulicher Bericht einer Universitätsinstanz in die Presse gelange, so Ziegler in der «SoZ». «Man kann einen Professor nicht so behandeln».

Die Universität hatte die Kündigung des langjährigen Kurators des Medizinhistorischen Museums am Freitag bekanntgegeben. Hauptgrund waren einerseits negative Leistungsbeurteilungen als Kurator. Die Ausstellung sei veraltet und teilweise fehlerhaft, die riesige Sammlung teils unsachgemäss gelagert und vernachlässigt.

Die sofortige Freistellung erfolgte aufgrund des Verhaltens von Mörgeli, nachdem die Vorwürfe publik geworden waren. Mit seinen schweren, in den Medien geäusserten Vorwürfen habe Mörgeli die Loyalitätspflicht verletzt. Eine Rückkehr ins Museum sei undenkbar, sagte Uni-Rektor Andreas Fischer am Freitag.

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(aho/chb/sda)