Die Ratingagentur Moody's zweifelt wegen des anhaltenden Ukraine-Konflikts die Kreditwürdigkeit Russlands stärker an. Die Bonitätsnote sei um eine Stufe auf «Baa2» gesenkt worden, teilte Moody's am Freitag mit. Der Ausblick sei «negativ», damit sind weitere Abstufungen möglich.

Russland nähert sich damit immer mehr Ramschniveau, das spekulative Anleihen kennzeichnen soll. Davon trennt das Land jetzt nur noch zwei Abstufungen. Nach der Herabstufung durch Moody's bewerten nun alle grossen drei US-Ratingagenturen Russlands Bonität nur noch knapp über Ramschniveau.

Kapitalflucht muss gebremst werden

Die Kreditwächter begründeten die Entscheidung mit den wegen der Ukraine-Krise dauerhaft eingetrübten Wachstumsaussichten. Der Internationale Währungsfonds geht in seiner neuesten Prognose davon aus, dass das russische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur noch um 0,2 Prozent und im kommenden Jahr um 0,5 Prozent steigen wird.

Ausserdem führte Moody’s an, die fortschreitende Kapitalflucht gefährde die Bonität des Landes. Die russische Zentralbank unterstellt für 2015 einen Rückgang der Nettokapitalabflüsse auf 35 Milliarden Dollar von geschätzten 90 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. Viele Experten erwarten, dass dies nur mit Kapitalkontrollen erreicht werden kann.

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Währungszerfall setzt der Wirtschaft zu

Die Russische Wirtschaft darbt darüber hinaus an einer Währungskrise. «Für Russland dreht sich alles um den Wechselkurs», sagt ein Experte, der anonym bleiben will. Der Aderlass ist so stark, dass die Wirtschaft auszubluten droht. Denn der Preis für Öl, eine der Haupteinnahmequellen des Landes, sinkt ebenfalls deutlich.

Der Rubel-Verfall erweist sich immer mehr als Achillesferse der russischen Wirtschaft. Die rasende Talfahrt der Währung wird die Führung in Moskau über kurz oder lang zu Zugeständnissen in der Ukraine-Krise zwingen, prophezeien Ökonomen.

(reuters/ise)