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Mordfall Litwinenko: Zweiter Haftbefehl erlassen

Im Mordfall um den vergifteten Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko hat Grossbritannien einen internationalen Haftbefehl gegen einen zweiten Verdächtigen erwirkt.

Veröffentlicht am 02.03.2012

Grossbritannien hat einen internationalen Haftbefehl gegen einen zweiten Verdächtigen erwirkt, der an der mutmasslichen Ermordung des Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko beteiligt gewesen sein soll.

Wie die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf russische Geheimdienstkreise meldete, richtet sich der Haftbefehl gegen den russischen Geschäftsmann Dmitri Kowtun. Er hatte sich im November 2006 gemeinsam mit dem Hauptverdächtigen Andrej Lugowoj in einer Londoner Hotelbar mit Litwinenko getroffen. Dieser starb kurz darauf an einer Polonium-Vergiftung.

Bei der russischen Generalstaatsanwaltschaft sei bisher noch kein Haftbefehl aus Grossbritannien eingegangen, sagte eine Behördensprecherin Interfax.

Affäre belastet britisch-russische Beziehungen

Kowtun, der wie Lugowoj und Litwinenko einst für den russischen Geheimdienst tätig war, zeigte sich in einem Interview mit der Zeitung «Moskowski Komsomolez» von dem Haftbefehl «sehr überrascht». «Wenn ich irgendwo in Europa erscheine, werde ich festgenommen und als Verdächtiger an Grossbritannien ausgeliefert. Natürlich gefällt mir das ganz und gar nicht», sagte er.

Die Litwinenko-Affäre belastet seit Jahren die Beziehungen zwischen Grossbritannien und Russland. London fordert seit langem Lugowojs Auslieferung, doch Moskau lehnt dies ab.

Lugowoj, der mittlerweile für die Liberaldemokratische Partei im russischen Parlament sitzt und unter dem Schutz der parlamentarischen Immunität steht, und Kowtun beteuern stets ihre Unschuld.

Unterstützer mit Firma in Genf

Litwinenko hatte auf dem Sterbebett den damaligen russischen Präsidenten und ehemaligen KGB-Chef Wladimir Putin für den Polonium-Anschlag verantwortlich gemacht.

Einer der grössten Unterstützer Litwinenkos war der russische Milliardär Boris Abramowitsch Beresowski, der etwa in Genf über die Firma AVVA International an der russischen Fluggesellschaft Aeroflot beteiligt war.

(chb/tno/sda)

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