Ägyptens Machthaber haben den Islamisten einen weiteren Schlag versetzt. Das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, kam in Untersuchungshaft, wegen der Beteiligung an der Tötung von Demonstranten. Die Islamisten-Bewegung will ihren Kampf trotzdem fortsetzen.

Badie sei in der Nacht auf Dienstag in einer Wohnung im Nordosten Kairos aufgespürt und festgenommen worden, berichteten staatliche Medien. Die Justiz ordnete für den 70-Jährigen 15 Tage Untersuchungshaft an. Zusammen mit Badie wurden nach Angaben des Innenministeriums zwei weitere hochrangige Mitglieder der Muslimbruderschaft festgenommen.

Badie war seit Wochen gesucht worden und wurde im Juli wegen Anstiftung zum Mord an Demonstranten angeklagt. Wie am Dienstag aus Justizkreisen in Kairo verlautete, wird gegen ihn wegen der Beteiligung an der Tötung von Demonstranten vor dem Präsidentenpalast am 5. Dezember 2012 ermittelt. Ausserdem geht die Staatsanwaltschaft dem Vorwurf nach, Badie habe zur Erstürmung eines Gebäudes der Republikanischen Garde im vergangenen Juni aufgerufen.

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Ein Sprecher der Muslimbruderschaft teilte am Dienstag mit, Badie sei letztlich auch nur eines von vielen Mitgliedern der Bruderschaft, die tief in der ägyptischen Gesellschaft verankert sei. Die Kampagne gegen den «Militärputsch» werde weitergehen. Mahmud Essat, ein Stellvertreter Badies, wurde zum «temporären Oberhaupt» der Bewegung ernannt.

Prozess gegen El Baradei

Nicht nur Badie, sondern auch Mohamed El Baradei droht Ungemach durch die ägyptische Justiz. Das Nachrichtenportal «Al-Ahram» berichtete, ein Prozess gegen den Friedensnobelpreisträger werde in Kairo am 19. September beginnen. Der Kläger ist ein Rechts-Professor.

Dieser sei der Ansicht, El Baradei habe durch seinen Rücktritt als Vizepräsident das in ihn gesetzte «Vertrauen verraten». Fraglich ist, ob El Baradei zu dem Termin erscheinen wird. Er war am Sonntag nach Österreich ausgereist.

Westliche Hilfe auf dem Prüfstand

Seit der Räumung der Protestlager in Kairo am vergangenen Mittwoch sind mehrere Dutzend Führungspersönlichkeiten der Muslimbruderschaft festgenommen worden. Zudem kamen hunderte Anhänger der Bewegung in Gewahrsam, die für die Rückkehr von Präsident Mohammed Mursi demonstriert hatten.

Mehrere westliche Regierungen hatten die neue ägyptische Führung scharf kritisiert, nachdem Anschläge, Polizeigewalt und Strassenkämpfe in den vergangenen Tagen mehr als 800 Tote gefordert hatten. Sie mahnen eine Versöhnung der Übergangsregierung mit den vom Militär entmachteten Muslimbrüdern an. Einige europäische Länder strichen Hilfsprojekte, um den Druck zu erhöhen.

Die EU-Aussenminister wollten bei einer Sondersitzung am Mittwoch in Brüssel die Fortsetzung ihrer Finanz- und Militärhilfen für das Land überprüfen. Die USA sollen zudem Medienberichten zufolge einen Teil ihrer milliardenschweren Militärhilfe für Ägypten vorübergehend auf Eis gelegt haben.

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Die Regierung von Präsident Barack Obama wolle einige der Mittel «umprogrammieren», berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf das Büro des demokratischen Senators Patrick Leahy. Von offizieller Seite wurde dies nicht bestätigt. Die Hilfe werde überprüft. Dieser Prozess sei aber noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher des Weissen Hauses.

Arabische Länder schliessen Lücke

Der ägyptische Militärchef Abdelfattah al-Sisi verlässt sich derweil auf Saudi-Arabien: Die Zeitung «Al-Sharq Al-Awsat» berichtete, Al-Sisi habe sich in einem Telefonat mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Salman bin Abdelasis Al-Saud für die Unterstützung des Königreichs bedankt.

Aussenminister Prinz Saud al-Faisal hatte zuvor erklärt, die arabischen Staaten könnten, falls westliche Hilfen eingestellt werden sollten, diese ausgleichen. Am Dienstag empfing Ägyptens Ministerpräsident Hasim al-Beblawi eine Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nach Informationen des Nachrichtenportals «Youm7» wirtschaftliche Kooperation anbot.

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(chb/sda)