1. Home
  2. Politik
  3. Muslime beten bei Jelmoli ungestört

Detailhandel
Muslime beten bei Jelmoli ungestört

Jelmoli Zürich: Pilotprojekt vorläufig bis Ende August.   Keystone

Das Zürcher Warenhaus stellt muslimischen Kunden ab sofort einen Gebetsraum zur Verfügung. Vorläufig soll dieser bis Ende Monat offen sein – danach wird Bilanz gezogen.

Veröffentlicht am 15.08.2014

Muslimische Kunden, die während der Shoppingtour beten wollen, können sich im Jelmoli in Zürich seit neuestem in einen eigens dafür bereitgestellten Raum zurückziehen. Das Angebot gilt vorderhand bis Ende August. Wie es nachher weitergeht, ist noch nicht entschieden. Jelmoli-Sprecherin Barbara Kallenberg bestätigte am Freitag eine Meldung der Zürcher Landzeitungen, wonach seit Anfang Woche im Warenhaus an der Bahnhofstrasse muslimischen Kunden ein Gebetsraum zur Verfügung steht. Die Idee sei sehr spontan entstanden.

Sie war eine Reaktion darauf, dass immer wieder Kundinnen und Kunden aus arabischen Ländern beim Beten im Warenhaus beobachtet wurden. Man biete den Raum jetzt zunächst einmal für die Ferienzeit bis Ende August an. Dass man das Angebot längerfristig aufrechterhalte, schliesse man nicht zum Vorneherein aus, sagte Kallenberg. Ende August «gucken wir, wie es angekommen ist». Dann schaue man, wie es weitergehe.

«Zeichen der Gastfreundlichkeit»

Wie Daniela Bär von Schweiz Tourismus zur Nachrichtenagentur sda sagte, sind Gäste aus den Golfstaaten ein deutlich wachsendes Kundensegment in der Schweiz. Für Bär ist zwar ein Gebetsraum in einem Warenhaus etwas Neues, sie weiss aber von vielen anderen speziellen Angeboten.

Sie seien als «Zeichen der Gastfreundlichkeit» zu verstehen. Schweiz Tourismus habe zudem mit Hotellerie Suisse Broschüren erarbeitet, welche die Gepflogenheiten von Besuchern aus fernen Ländern wie etwa Indien oder den Golfstaaten erläutern. Diese werden laut Bär der Branche zur Verfügung gestellt.

Besonders kaufkräftig

«Chapeau, gute Idee» – dies die Reaktion von Stefan Otz auf das neue Angebot des Zürcher Warenhauses. Der Direktor von Interlaken Tourismus weiss, wovon er spricht. In den letzten Jahren kamen immer mehr Gäste aus dem arabischen Raum. Zurzeit platze Interlaken aus allen Nähten, so Otz.

Hotels und Restaurants halten die verschiedensten Spezialangebote bereit – vom Gebetsteppich mit eingebautem Kompass, um die Richtung gegen Mekka genau orten zu können, über Halal-Menus bis hin zur Halal-Barbecue-Cruise auf dem Brienzersee.

Von einem Gebetsraum in einem Warenhaus habe er bisher noch nie gehört, sagte auch Otz. Dies sei eine sehr innovative Idee. Verwunderlich sei sie allerdings nicht: Immerhin seien die Gäste aus den Golfstaaten besonders kaufkräftig – jene, die am meisten Geld ausgäben und am längsten blieben.

(sda/vst/ama)

Anzeige