Volle Züge und Stau auf der Strasse, Zuwanderung und der Druck der Grossmächte: Die Bundesräte haben in ihren Ansprachen zum Nationalfeiertag die Herausforderungen für die Schweiz angesprochen - und Rezepte präsentiert, um die Zukunft zu meistern: Mit Mut, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftssinn.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga rief die Schweizerinnen und Schweizer dazu auf, Wandel nicht als Gefahr zu sehen: Ein Land mit einer starken Identität brauche Veränderungen nicht zu fürchten, sagte sie in ihrer Rede in Farvagny FR.

In dieser kleinen Freiburger Gemeinde arbeitete die Bundesrätin vor fast 30 Jahren als Klavierlehrerin. Sie habe sich verändert, und auch Farvagny sei nicht mehr der selbe Ort wie damals, sage sie dem Publikum.

Und doch sei sie als Mensch und Farvagny als Dorf immer noch unverkennbar. Auch die Schweiz müsse Veränderungen nicht fürchten.

Wirtschaft unter Druck

Veränderungen würden nicht nur Risiken, sondern auch Chancen bergen, sagte auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf gestern im bernischen Arch und heute in Bellwald VS.

Anzeige

Die Schweizer Wirtschaft sei unter Druck, sagte die Finanzministerin mit Verweis auf die Banken. Es gelte, zu kämpfen und an die Zukunft zu glauben. «Wir sind stark und können viel leisten.»

David gegen Goliath

Kämpferisch zeigte sich auch Bundespräsident Ueli Maurer. Wie bereits in seiner viel beachteten Rede am World Economic Forum in Davos Anfang Jahr sprach er über den Druck grosser Länder und internationaler Organisationen, dem die Schweiz als Kleinstaat ausgesetzt sei.

Wie David dürfe sich die Schweiz aber nicht von diesem Goliath beeindrucken lassen, sagte Maurer.

Nicht beeindruckt, sondern belustigt zeigte sich Maurer durch den Auftritt einiger Aktivisten bei seiner Rede in Biel gestern.

Diese warben in Uniform und mit Wasserpistolen ausstaffiert für die Initiative zur Aufhebung der Wehrpflicht, über die im Herbst abgestimmt wird. «Wir brauchen Leute, die sich in ihrer Freizeit engagieren», kommentierte Maurer den Auftritt der engagierten jungen Männer und Frauen.

Parforce-Tour

Der Bundespräsident sprach während den zwei Tagen nicht nur in Biel, sondern auch an acht anderen Orten. Per Helikopter und Auto stattete er allen vier Landesteilen einen Besuch ab.

Alain Berset zeichnete ein freundlicheres Bild vom Ausland als sein Bundesratskollege Maurer: Die Schweiz sei nicht von Feinden umzingelt, sagte Berset in seinen Reden in Stansstad NW, Rümlang ZH und Moudon VD.

Sie sei konfrontiert mit sich verändernden Realitäten, denen sie sich stellen müsse; besonders im Umgang mit der EU müsse sie einen pragmatischen Weg finden. «Europa ist unsere kulturelle Heimat.» Bei seinem Auftritt im Waadtland sprach Berset den Angehörigen des Opfers des Zugunglücks von Montagabend bei Payerne sein Beileid aus.

Didier Burkhalter sprach wie Berset das Verhältnis mit der EU an. Der bilaterale Weg müsse gestärkt und erneuert werden, sagte der Aussenminister im lettischen Riga. Dabei müsse aber das Volk - der Souverän - immer das letzte Wort haben. «So war es bisher, so wird es auch bleiben.»

Anzeige

Sportsgeist auf dem Rütli

Viel schweizerischer als Riga im fernen Baltikum war der Ort, wo Johann Schneider-Ammann sprach: Auf dem Rütli.

Die Feier am Vierwaldstättersee stand im Zeichen des Fussballs. Über 400 Fussballerinnen und Fussballer waren unter den 1100 Gästen. Schneider-Ammann verwendete denn auch eine Sportmetapher und rief dazu auf, das Mannschaftsspiel zu pflegen - nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in Werkhallen, den Büros und im Alltag.

Doris Leuthard sprach am Nationalfeiertag in Lavizzara im Kanton Tessin. Auf einer Alp ausserhalb des Mobilfunknetzes warb sie für die Finanzierung von Infrastruktur. Nur gemeinsam könnten wichtige Reformprojekte realisiert werden, sagte sie mit Blick auf den Strassen- und Schienenverkehr.

(jev/sda)