Nach dem Angriff von Philipp Müller auf Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf gerät der FDP-Präsident selber ins Kreuzfeuer, wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet.

Die Präsidenten der Mitteparteien CVP, BDP und GLP kritisieren Müller für seine Attacke auf die Bundesrätin ungewohnt scharf. «Reine Effekthascherei», sagt CVP-Präsident Christophe Christophe Darbellay. «Ein rotznasiger Versuch der FDP, politisches Kapital aus einer schwierigen Situation zu schlagen», sagt BDP-Präsident Martin Landolt. Auch GLP-Chef Martin Bäumle kritisiert den FDP-Präsidenten: «Philipp Müller betreibt mit seiner Profilneurose Schaumschlägerei, die der Sache schadet».

Müller hatte Widmer-Schlumpf ein «falsches Spiel» vorgeworfen und verlangt, ihr das Steuerdossier zu entziehen, weil die Bundesrätin vor Weihnachten signalisierte, die Schweiz müsse mit der EU eine Diskussion um den automatischen Informationsaustausch führen. In der Zeitung «Der Sonntag» schlagen die Chefs der Mitteparteien, die Widmer-Schlumpfs Machtbasis im Parlament sind, zurück – und greifen auch die FDP als politischen Partner an. «Die FDP ist unter Müller unberechenbar geworden», sagt BDP-Präsident Martin Landolt.

Müller bekenne sich im Unterschied zu seinem Vorgänger Fulvio Pelli zwar zur Mitte, kritisiere die Mitteparteien jedoch immer wieder reflexartig: «So gesehen hat der Angriff auf Widmer-Schlumpf System», sagt Landolt. «Die Diskussion über den Datenaustausch wird kommen. Wir können die Augen nicht vor der Realität verschliessen.» Darbellay kritisiert: «Es ist am Einfachsten, auf die Person zu schiessen, wenn die Situation des Finanzplatzes schwierig ist und keine befriedigende Lösungen sichtbar sind». Und weiter: «Man muss die Realität sehen. Mit falschen Illusionen erarbeiten wir keine nachhaltigen Lösungen». Es seien die Mitteparteien und nicht die FDP, die es wagen würden, das Kind beim Namen zu nennen: «Sie wagen den Tabubruch im Interesse des Landes».

GLP-Präsident Bäumle, der als einziger der Mitte-Chefs Kritik an Widmer-Schlumpf äussert («Ihre Aussagen sind mehr als ungeschickt»), bezeichnet Müllers Angriff als «Rohrkrepierer»: «Was Müller der Finanzministerin vorwirft, nämlich die Position der Schweiz zu schwächen, tut er mit seinem Angriff selber auch. Der Verhandlungsführerin das Dossier wegnehmen zu wollen, ist ein Schuss ins Knie».

(chb)

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