1. Home
  2. Politik
  3. Nach Brexit: Europa blickt voller Bangen nach Spanien

Votum
Nach Brexit: Europa blickt voller Bangen nach Spanien

Europa steht vor der nächsten Zerreissprobe: In Spanien finden unter dem Eindruck des Brexit Wahlen statt. Die Linkspartei Podemos könnte klare Erfolge feiern. An den Börsen drohen neue Verwerfungen.

Veröffentlicht am 26.06.2016

Nach dem Brexit-Votum der Briten und einem schwarzen Börsenfreitag steht Europa mit der Wahl in Spanien schon die nächste Zerreissprobe bevor. 36,5 Millionen Wahlberechtigte sind heute zum zweiten Mal innerhalb gut eines halben Jahres zur Stimmabgabe aufgefordert. Experten fürchten, dass EU-Kritiker wie das spanische Linksbündnis Podemos bei der Entscheidung am heutigen Sonntag noch mehr Zulauf bekommen und Investoren auf den Austritt weiterer EU-Länder spekulieren könnten.

Anleger müssen sich in jedem Fall auf weiter hohe Kursschwankungen und Verluste an den Aktienmärkten einstellen. Die Unsicherheit nach dem Ja der Briten zum EU-Ausstieg werde schrittweise wieder sinken, aber noch eine längere Zeit ungewöhnlich hoch bleiben, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das überraschend deutliche Votum der Briten werde den Anti-EU-Parteien in vielen EU-Ländern Rückenwind geben.

Schweizer Franken könnte steigen

Mit möglichen Konsequenzen für die Schweiz: «Kommt die Linkspartei Podemos auf deutlich mehr Stimmen als es die Umfragen prognostizieren und profitiert sie dabei mutmasslich von dem britischen Referendum, könnte das unmittelbar einen stärkeren Franken nach sich ziehen», sagt Adrien Pichoud, Chefökonom von SYZ Asset Management in Genf, im Interview.

Die Renditeaufschläge Spanischer Staatspapiere gegenüber deutschen Bundesanleihen stieg auf den höchsten Stand seit 2014. Der Brexit sorge für mehr politische Risiken innerhalb Europas, sagte Peter Chatwell von der Londoner Bank Mizuho. Die Protestbewegung habe das Momentum auf ihrer Seite und kurzfristig könnten Wähler sich eher gegen die etablierten Parteien entscheiden. 

Spanische Hängepartie

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy nutzte die Brexit-Entscheidung der Briten am Wochenende zu einer Spitze gegen die Linkspartei Podemos, die für ein Referendum über eine Trennung Kataloniens von Spanien eintritt. «Volksabstimmungen sollte man nur abhalten, wenn es unbedingt nötig ist», sagte der seit Dezember geschäftsführende Regierungschef nach Medienberichten. «Man darf die Verantwortung für schwere Entscheidungen nicht auf die Bürger abwälzen.»

Jüngsten Umfragen zufolge droht eine Hängepartie wie bei den Wahlen im Dezember, als der amtierende Ministerpräsident Mariano Rajoy keinen Koalitionspartner fand und König Felipe das Parlament auflöste. Experten befürchten Kursturbulenzen, wenn das linke Lager mehr Anhänger finden sollte. Risikoaufschläge von Staatsanleihen aus Spanien und anderen Peripheriestaaten wie Portugal und Italien dürften dann in die Höhe schiessen, die Aktienkurse an den südeuropäischen Börsen tief fallen.

(reuters/bloomberg/moh)

Anzeige