Seit 1985 hat es dies noch nie gegeben – 49 Tage ohne TV-Quoten. Ob daraus noch 50 oder 51 Tage werden entscheidet sich nächste Woche, da die Mediapulse keinen konkreten Tag für die Veröffentlichung genannt hat. Doch sind die Zahlen dann erstmals bekannt – wird es so richtig losgehen. Bis jetzt hat sich die Branche mit offener Kritik zurückgehalten. Doch es geht um viel – vor allem um viel Geld.

Laut Mediafocus sind im letzten Jahr für 1,52 Milliarden TV-Spots geschaltet worden. (Bruttowerbedruck = Gegenwert basierend auf dem offiziellen Tarif des Werbeträgers und nicht was effektiv bezahlt wurde.) Auf dieser Grundlage lässt sich ein ungefährer Tagesaufwand von rund 4,164 Millionen Franken errechnen, welcher in die Schweizer TV-Werbung investiert worden ist.

Dies entspricht bei 49 Tagen einem geschätzten 204 Millionen-Blindflug, den die Werbetreibenden ohne Feedback finanziert haben. In einer Branche, die sich seit 1985 daran gewöhnt hat, schon morgen zu wissen wie der heute investierte Werbefranken gewirkt hat, ist dies mehr als heikel.  

Ganz ohne Reaktionen der Werbetreibenden wird das Quoten-Desaster nächste Woche nicht zu Ende gehen.   

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Für den Verwaltungsrat der Mediapulse ist mit der Veröffentlichung der TV-Quoten das Thema noch nicht erledigt. Das Bundesamt für Kommunikation und auch die Politik haben Fragen.

Wie viel ist zu teuer

Es wird sie interessieren, warum das bis jetzt einwandfrei funktionierende System Telecontrol nicht im Parallelbetrieb weiterbetrieben worden ist - für Branchenkenner völlig unverständlich. Angeblich war es für die Mediapulse zu teuer. Doch wie viel ist zu teuer?

Ein Gfk-Sprecher sagte auf Anfrage, man habe im 1. Halbjahr 2012 gerne Hand geboten für eine Übergangslösung. Zu den anfallenden Kosten wollte Gfk keine Angaben machen, diese hätten allerdings im «vergleichbaren Rahmen» zu den Kosten des alten Systems gelegen. Wie teuer ein Parallelbetrieb gewesen wäre, will auch FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger wissen und reicht dazu einen Parlamentarischen-Vorstoss ein.