Das deutsche Bundesland Baden-Württemberg und die Vorarlberger Landesregierung haben Forderungen mit Blick auf die geplante Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Leibstadt im Kanton Aargau erhoben. Sie verlangen, dass die Ursachen der Probleme mit der Kühlung restlos geklärt werden.

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller warnte in einer Stellungnahme die Schweizer Atomaufsichtsbehörde Ensi davor, das AKW Leibstadt wieder in Betrieb zu nehmen. Es sei «nicht sicherheitsorientiert», das AKW ohne umfassende Ursachenklärung für die rostigen Hüllrohre wieder hochzufahren.

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Vorarlberg verlangt Informationsaustausch

Der Umweltminister forderte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) auf, die Freigabe für den Betrieb des AKW vorerst zu verweigern. Solange die Aufarbeitung der Probleme nicht abgeschlossen sei, dürfe die Anlage nicht betrieben werden.

Auch die Vorarlberger Landesregierung äusserte sich in einer Protestschrift an das Ensi gegen eine Wiederinbetriebnahme des AKW Leibstadt. «Vor einer vollumfänglichen Klärung und Behebung der Probleme» dürfe dies nicht geschehen, sagte Landeshauptmann Markus Wallner am Dienstag nach der Regierungssitzung.

Er forderte weiter, dass Vorarlberg über bestehende Problemlagen bei Schweizer Kernkraftwerken informiert wird. Entsprechende Zusagen habe es seitens der Schweiz in der Vergangenheit bereits gegeben.

47 von 648 Brennelemente betroffen

Das AKW Leibstadt ist seit Anfang August 2015 vom Netz. Bei den Brennstoffinspektionen waren lokale Verfärbungen als Anzeichen für Oxidation an mehreren Hüllrohren der Brennelemente entdeckt worden.

Von den 648 Brennelementen des Reaktorkerns wiesen 47 Elemente solche Verfärbungen auf. Im AKW kam es zu kritischen Siedezuständen (Dryouts), deren Ursachen noch nicht geklärt sind.

Vorbereitungen für das Hochfahren laufen

Die Atomaufsichtsbehörde Ensi hatte im Dezember über die Hintergründe informiert. Die direkte Ursache für das Auftreten einer erhöhten Oxidation sei das Erreichen des kritischen Siedezustandes an der Hüllrohroberfläche.

In diesem Zustand sei die Hüllrohroberfläche im Betrieb nicht mehr mit einem Kühlmittelfilm benetzt, wodurch es lokal zu einem starken Anstieg der Oberflächentemperatur komme. Die erhöhte Oberflächentemperatur bewirke eine verstärkte Oxidation des Hüllrohrmaterials.

Das Ensi erteilte mittlerweile die Freigabe für die Kernbeladung des Reaktors. Die Vorbereitungen für das Hochfahren des Atomkraftwerks sind am Laufen.

(sda/jfr)