Ist der nächste Schuldenschnitt für Griechenland bereits beschlossene Sachen? Das deutete am gestrigen Abend offenbar Gerry Rice, Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington an. Die Schulden des Landes seien hoch und die Partner in der Euro-Zone hätten sich auf einen Schuldenerlass verständigt, zitiert die griechische Zeitung Ekathimerini den IWF-Sprecher.

Rice sei demnach besorgt über die drohende politische Instabilität in Griechenland. In wenigen Wochen stehen in dem südeuropäischen Land nicht nur die Europa-, sondern auch Kommunalwahlen an. «Im griechischen Programm ist politische Stabilität, wie in anderen Programmen, ein wichtiges Thema», wird Rice zitiert. Griechenlands Schulden seien «schon hoch und bleiben erwartungsgemäss hoch.» Sollte sich Athen zu den beschlossenen Reformen wie vereinbart bekennen, hätten die Kreditgeber sich auf einen Schuldenerlass geeinigt – sofern dieser notwendig werde.

Angesichts einer Finanzierungslücke Griechenlands von 5,5 Milliarden Euro bis Mai 2015, so prognostiziert es die EU-Kommission, könnte ein Schuldenschnitt durchaus notwendig werden.

Erstmals wieder ein Primärüberschuss

Der Internationale Währungsfonds ist Teil der geldgebenden Troika, der auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission angehören. Die Euro-Finanzminister hatten dem Land bereits niedrigere Zinsen und längere Fristen für die gewährten Notkredite in Aussicht gestellt, die sich seit 2010 auf rund 240 Milliarden Euro summieren. Diese laufen Ende des Jahres aus.

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Grundlage für die Erleichterungen ist, dass Athen 2013 erstmals seit fast zehn Jahren wieder mehr Geld eingenommen als ausgegeben hat – wenn man die enormen Zinszahlungen und Bankenhilfen herausrechnet. Dieser sogenannte Primärüberschuss betrug 1,5 Milliarden Euro. Vor einem Monat hatte das Land auch erfolgreich neue Anleihen ausgegeben.

(moh/vst)