Eine grosse Merheit der Deutschen lehnt die Ersetzung von Begriffen wie «Negerlein» in klassischen Kinderbüchern ab. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 70 Prozent, solche Wörter sollten nicht entfernt werden.

Nur 22 Prozent sind dafür. 65 Prozent der Befragten finden, dass nachträgliche Eingriffe Zensur wären.

Der Stuttgarter Thienemann-Verlag hatte im Januar angekündigt, Begriffe wie «Negerlein» und «Neger» aus Kinderbuch-Klassikern wie Otfried Preusslers «Die kleine Hexe» zu streichen. Auch andere Verlage wollten sich dem Unternehmen anschliessen.

Über den Sinn solcher Massnahmen wird heftig diskutiert. Unter den Männern ist die Ablehnung etwas grösser (73 Prozent) als unter den Frauen (67 Prozent). Je älter die Befragten sind, desto stärker wollen sie an der vertrauten Fassung der Kinderbücher festhalten: Während unter den 16 bis 24-Jährigen immerhin 39 Prozent dafür sind, Wörter wie das "Negerlein" zu verbannen, bejahen das bei der Altersgruppe ab 55 Jahren nur noch 16 Prozent.

Gut 72 Prozent meinen, dass es keinen Einfluss auf Kinder hat, wenn sie diskriminierende Begriffe lesen oder vorgelesen bekommen. In der Grosselterngeneration ab 55 Jahren sagen das sogar 81 Prozent. Aber auch die Jüngeren zwischen 25 und 34 Jahren sind überwiegend (61 Prozent) der Meinung, dass ihren Kleinen das nicht schadet.

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Jeder hat eine feste Meinung

Fast zwei Drittel der Befragten nennen die Streichung der umstrittenen Begriffe Zensur. Nur 28 Prozent finden das nicht. Auffällig ist, dass fast alle Befragten eine klare Meinung zu dem Thema haben - «ich weiss nicht» antworteten regelmässig weniger als 10 Prozent.

Zur Frage, ob die gesamte Literatur - also nicht nur Kinderbücher - auf diskriminierende Wörter hin durchforstet werden sollte, fällt das Meinungsbild sehr eindeutig aus: Fast 75 Prozent halten das für überflüssig; nur 17,6 Prozent sind dafür.

(tke/sda)