Nach dem Verzicht auf eine Anklage wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager sind die Proteste in der US-Stadt Ferguson in Gewalt umgeschlagen. Demonstranten warfen in der Nacht zum Dienstag Gegenstände auf die Polizei, die mit dem Einsatz von Tränengas reagierte, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

US-Präsident Barack Obama rief in einer Ansprache zu friedlichen Protesten gegen die Entscheidung auf, den weissen Polizisten Darren Wilson nicht strafrechtlich zu belangen. Er verteidigte die Entscheidung einer Geschworenenkammer.

«Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt»

«Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet», sagte er am Montagabend (Ortszeit) in Washington. Es sei die Aufgabe des Gremiums gewesen, über den Fall zu urteilen. Die Polizei forderte er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten. «Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt», sagte er.

Die ganze Situation sei aber auch exemplarisch für bestehende Herausforderungen in den USA, sagte der Präsident. Es gebe immer noch tiefes Misstrauen zwischen farbigen Menschen und der Polizei. «Es gibt immer noch Probleme und die schwarzen Gemeinden erfinden die nicht einfach nur.»

Jury votierte gegen eine Anklage

Nach den tödlichen Schüssen auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown in Ferguson muss sich der weiße Polizist Darren Wilson nicht vor einem US-Gericht verantworten. Eine Geschworenen-Jury votierte am Montagabend gegen eine Anklage.

Der Fall hatte bereits im August tagelang für heftige Unruhen in dem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gesorgt, in dem überwiegend Schwarze wohnen. Wegen der Entscheidung der Jury könnte es nun erneut gewaltsame Proteste geben. Die Nationalgarde soll zusammen mit zahlreichen Polizisten für Ruhe sorgen.

Wütende Menschen

Die Familie von Michael Brown betonte nach der Entscheidung, tief enttäuscht zu sein. Hunderte Menschen versammelten sich vor dem Polizeigebäude von Ferguson. Als die Entscheidung verlesen wurde, schrien mehrere Personen vor Wut. Der Gouveneur von Missouri, Jay Nixon, rief zu Toleranz und gegenseitigem Respekt auf.

Der Oberstaatsanwalt der Region St. Louis, Bob McCulloch, sagte, es habe nach der Begutachtung aller Hinweise und Befragung aller Zeugen keinen ausreichenden Beweis gegeben, der für eine Anklage des Polizisten gesprochen hätte. Die Jury bestand aus zwölf Geschworenen - sieben Männern und fünf Frauen, neun Weissen und drei Schwarzen. Ihre Aufgabe war es, eine vorläufige Entscheidung zu treffen, ob ein Verbrechen begangen wurde und dieses vor Gericht verhandelt werden sollte.

(sda/reuters/dbe)

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