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Neue Ukip-Chefin muss grosse Lücke schliessen

Diane James im BBC-Studio: Nach dem Erfolg des Brexit fehlen der Partei die Themen. Screenshot

Die Ukip-Partei hat Diane James zur neuen Chefin gewählt. Doch die Nachfolgerin von Nigel Farage steht vor einer grossen Aufgabe. Nach dem Erfolg des Brexit-Votums ist die Partei zerstritten.

Veröffentlicht am 16.09.2016

Die europakritische britische Ukip-Partei hat Diane James zur neuen Vorsitzenden gewählt. Wie die Ukip am Freitag auf ihrem Parteitag im südenglischen Bournemouth mitteilte, erhielt die 56-jährige EU-Abgeordnete 8451 Stimmen und setzte sich damit deutlich gegen ihre Mitbewerber durch. James gilt als starke Rednerin und als mediengewandt. Trotzdem dürfte die neue Vorsitzende Schwierigkeiten haben, die Lücke zu schliessen, die der Abgang ihres charismatischen Vorgängers Nigel Farage hinterlässt. Die Partei gilt als tief zerstritten.

Bei ihrer Antrittsrede am Freitag sagte James, sie wolle Ukip zur zweitstärksten politischen Kraft nach den Konservativen in Grossbritannien machen. «Sie sehen die nächste Oppositionspartei», sagte sie an Premierministerin Theresa May gerichtet und forderte einen «hundertprozentigen Brexit».

Farages Warnung

Ihr Vorgänger Farage hatte im Juli, knapp zwei Wochen nach dem Brexit-Votum, seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Bei seiner Abschiedsrede rief der 52-Jährige die Delegierten auf, Druck auf die Regierung auszuüben, um einen konsequenten EU-Austritt durchzusetzen. Dazu gehöre auch, den Europäischen Binnenmarkt zu verlassen.

Kritik übte Farage am zögerlichen Verhalten der Regierung. Er habe das Gefühl, Premierministerin May sei versucht, einen «weichen» EU-Austritt Grossbritanniens zu verfolgen, sagte Farage. Der einzige Weg, um das zu verhindern, sei, «dass Ukip gesund und stark ist». Chancen für seine Partei bei kommenden Wahlen sieht Farage vor allem bei enttäuschten Labour-Wählern in Mittelengland, die sich beim Referendum am 23. Juni überraschend deutlich für einen EU-Austritt ausgesprochen hatten.

Partei tief zerstritten

Farage will in Zukunft kein Parteiamt mehr ausüben. Er wolle «sein Leben zurück» sagte er in Anlehnung an frühere Slogans. Ganz aus der Politik will er sich aber nicht verabschieden. Er wolle weiterhin seinen Sitz als Abgeordneter im EU-Parlament behalten und seine Nachfolgerin mit Ratschlägen unterstützen.

Ukip gilt als tief zerstritten. Zwei aussichtsreiche Bewerber auf das Amt des Parteivorsitzenden waren bereits vor der Wahl disqualifiziert worden. Die Partei muss nun unter Beweis stellen, dass sie auch nach Erreichen ihres grössten Ziels, des EU-Austritts Grossbritanniens, bestehen kann.

(sda/gku/hon)

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