Nach monatelanger Vermittlung durch US-Aussenminister John Kerry nehmen Israel und die Palästinenser einen neuen Anlauf für direkte Verhandlungen im Nahostkonflikt. Erste Gespräche sollten am Abend in Washington beginnen. Die Ausgangspositionen in den Kernproblemen, die einem endgültigen Friedensschluss im Wege stehen, liegen jedoch weit auseinander.

Palästinenser-Staat: Im Westjordanland und dem Gazastreifen wollen die Palästinenser ihren eigenen Staat mit uneingeschränkter Souveränität errichten. Israel will jede Bedrohung seiner Sicherheit vermeiden und fordert die Entmilitarisierung eines Palästinenserstaates sowie die Kontrolle des Luftraums und der Aussengrenzen; dazu soll israelisches Militär jahrzehntelang entlang des Jordantals stationiert werden.

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Grenzverlauf und Siedlungen: Die Palästinenser wollen ihren Staat innerhalb jener Grenzen errichten, die bis zum israelisch-arabischen Krieg 1967 Bestand hatten. Dazu müssten alle 121 offiziellen jüdischen Siedlungen im Westjordanland und die derzeit 99 auch nach israelischem Recht illegalen Aussenposten der Siedler aufgegeben werden. Einem Landtausch in geringem Umfang würden sie zustimmen. Israel lehnt dies ab und möchte dem eigenen Territorium zumindest die grösseren Blöcke endgültig zuschlagen, in denen die meisten der aktuell 360'000 israelischen Siedler leben.

Jerusalem: Israel eroberte 1967 im Sechstagekrieg auch den arabischen Ostteil der Stadt, annektierte ihn später und erklärte Jerusalem zu seiner «ewigen und unteilbaren» Hauptstadt. Die Palästinenser wollen Ostjerusalem, wo heute weiter 280'000 ihrer Landsleute und etwa 200'000 Israelis leben, zur Hauptstadt ihres eigenen Staates machen. Als besonders schwierig gilt die Regelung der künftigen Souveränität über das «heilige Becken», inklusive der Altstadt, wo alle drei monotheistischen Weltreligionen ganz zentrale Kultstätten haben.

Flüchtlinge: Mehr als fünf Millionen Palästinenser leben derzeit in arabischen Ländern; viele von ihnen sind Nachkommen der rund 760'000 Palästinenser, die im Zuge der Gründung des Staates Israel 1948 geflohen waren oder vertrieben wurden. Die palästinensische Seite besteht auf einem Rückkehrrecht. Israel sieht darin eine demografische Bedrohung für den jüdischen Charakter des Staates. Als Kompromiss hatte sich in früheren Verhandlungen abgezeichnet, dass das Rückkehrrecht «im Grundsatz» anerkannt wird, aber jeder Schritt zur Umsetzung im gegenseitigen Einverständnis erfolgen muss.

Kontrolle der Wasserresourcen: Israel kontrolliert den Grossteil des Grundwassers im Westjordanland. Wegen Wassermangels und ihrer schnell wachsenden Bevölkerung fordern die Palästinenser eine gerechtere Aufteilung der Ressourcen.

(vst/rcv/aho/sda)