Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat ihre Schreckensherrschaft im Norden des Iraks weiter ausgedehnt und eine neue Flüchtlingswelle ausgelöst.

Hunderte Familien der religiösen Minderheit der Jesiden flohen am Wochenende aus ihren Häusern, nachdem die Extremisten ihre Heimatorte eingenommen hatten. In den betroffenen Gebieten nördlich und westlich der Grossstadt Mossul brachen Panik und Chaos aus. «Die Bewaffneten bringen uns alle ohne Gnade um», sagte ein Bewohner der Nachrichtenagentur dpa.

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Die Terrorgruppe übernahm die Herrschaft in der Stadt Sindschar und in mehreren Dörfern sowie in der Stadt Samar. Sie konnte zudem zwei weitere Ölfelder unter ihre Kontrolle bringen, wie die irakische North Oil Company mitteilte. Die beiden Felder liegen in der Nähe einer wichtigen Ölpipeline zwischen dem Irak und der Türkei.

Mehrheitlich Kurden

In den eroberten Gebieten wohnen mehrheitlich Kurden. Sie gehören zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, standen aber zuletzt unter Kontrolle kurdischer Peschmerga-Kämpfer. Diese zogen sich nach heftigen Kämpfen mit den Extremisten aus der Region zurück. Bei den Zusammenstössen starben allein bis Samstag mindestens 77 Menschen.

Die Extremisten hätten etliche Menschen festgenommen, berichteten Einwohner. Die Flüchtlinge suchten in den benachbarten kurdischen Autonomiegebiete und im Sindschar-Gebirge Schutz.

Die Terrorgruppe betrachtet die Jesiden als «Ungläubige». Irakische Medien meldeten, die sunnitischen Extremisten hätten zehn schiitische Kurden hingerichtet sowie schiitische und jesidische Schreine gesprengt.

Kämpfe um Staudamm

Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer schickten demnach Verstärkungen in das Gebiet, um Sindschar wieder zu befreien. Die Nachrichtenseite Shafaaq-News berichtet am Sonntag von neuen heftigen Kämpfen. Laut dem Portal Al-Mada versuchten die Extremisten, den nahe gelegenen riesigen Mossul-Staudamm zu erobern.

Die IS-Dschihadisten hatten Anfang Juni Mossul rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad eingenommen. Sie beherrscht mittlerweile weite Gebiete im Norden und Westen des Landes. In den Regionen unter ihrer Kontrolle geht sie mit rücksichtsloser Gewalt gegen Andersgläubige sowie gegen Sunniten vor, die den Islam gemässigter auslegen als sie. Fast sämtliche Christen sind wegen der Verfolgung aus Mossul geflohen.

Auf der Flucht

Ende der Woche waren die IS-Milizen auch im benachbarten Syrien näher an die mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebiete herangerückt. Dort hatten die Extremisten einen Militärstützpunkt in der Nähe der Stadt Hasaka eingenommen.

In Syrien flohen nach heftigen Angriffen der Armee mit Artillerie und Raketen rund 5000 Menschen aus mehreren Dörfern in der Nähe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur. Die meisten von ihnen seien Frauen und Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte Sonntag mit. Dair as-Saur und die gleichnamige Provinz stehen ebenfalls weitgehend unter Kontrolle der IS-Terroristen.

(sda/gku)