Nicolas Sarkozy lässt offen, ob er bei den Präsidentschaftswahlen 2017 in Frankreich wieder kandidiert. Er sei allerdings vom derzeitigen Staatschef François Hollande zum «D-Day« eingeladen worden, sagte Sarkozy am Swiss Economic Forum (SEF) augenzwinkernd. Unmittelbar nach seiner Rede in Interlaken flog Sarkozy zu den Festivitäten anlässlich der Landung der Alliierten vor genau 70 Jahren in der Normandie.

Ob es wirklich auch wieder zu einem «Tag X» zwischen Hollande und Sarkozy um die französische Präsidentschaft kommt, bleibt fraglich. Zu seinen weiteren politischen Plänen äusserte sich Sarkozy auch auf Nachfragen des Moderators nicht konkret. Man könne aber dem Schicksal nicht entkommen («on n'échappe pas à son destin»).


Kurz vor den Europawahlen hatte sich Sarkozy bereits mit einem Plädoyer für Reformen in Europa zurückgemeldet, nachdem er 2012 abgewählt worden war. Den Ausgang der Europawahlen will Sarkozy nicht als Sieg euroskeptischer Populisten verstanden wissen, sondern als «Niederlage für uns alle».

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Westliche Länder müssen umdenken

Die Wähler hätten auf den Tisch gehauen und gesagt, so könne es nicht weitergehen. Die Krise in Europa sei aber nicht vorbei. Nach Ansicht von Sarkozy, der Frankreich fünf Jahre lang präsidierte, handelt es sich nicht um ein konjunkturelles, sondern um ein strukturelles Problem. Ein Teil der Elite negiere die Probleme.

Die westlichen Länder hätten ihr Sozialsystem noch nicht an die erfolgte Verlagerung des Weltwirtschaftswachstums in Schwellenländer angepasst. Detaillierte Rezepte für einen Ausweg nannte Sarkozy in seinem rund halbstündigen Podiumsgespräch allerdings keine.

Sarkozy untermauerte zugleich den Anspruch auf die Führungsrolle von Frankreich und Deutschland in Europa. Und in der Ukraine-Krise plädierte er für den Dialog mit Russland, wie er ihn 2008 im Georgien-Konflikt erfolgreich geführt habe.

Erst am Mittwoch habe er mit Russlands Staatschef Wladimir Putin gefrühstückt. Es sei absurd, von einem neuen Kalten Krieg zu sprechen. Er sei für die Selbstbestimmung der Völker. Wenn die Krim zu Russland gehören wolle, habe er keine Probleme. Russland wiederum habe viele Rohstoffe, die EU Technologien: «da muss man zusammenarbeiten». Die Ukraine könne dazu als Brücke dienen.

Der grosse Wandel

Für das Gespräch am SEF hat sich Sarkozy ausbedungen, nicht auf die Finanzaffäre seiner Partei UMP angesprochen zu werden. Der Steuerkonflikt zwischen der Schweiz und Frankreich war ebenfalls kein Thema. Auch durften keine Ton- und Videoaufnahmen der Rede gemacht werden, nur handschriftliche Notizen wurden erlaubt. Für Fotos seines Auftrittes war nur der SEF-eigene Fotograf zugelassen.

Ansonsten war das bedeutendste Treffen der Schweizer Wirtschaft aber offen und nahbar. Die Referate, Podiumsgespräche und Workshops standen unter dem Thema «The Big Shift», grossen Wandel «erkennen, einschätzen und agieren«. Einen bedeutenden Teil ihrer Zeit widmeten die 1350 teilnehmenden Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler am zweitägigen Anlass der Kontaktpflege.

Für die Schweizer Wirtschaft zeigten sie sich zuversichtlich. In einer Umfrage bezeichneten 75 Prozent die Aussichten als positiv, 13 Prozent sogar als sehr positiv.

(sda/me/sim)