Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat am Dienstag die Schweiz am Gedenkanlass zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee vertreten. «Nie dürfen wir vergessen, was Auschwitz bedeutet», sagte sie in einer Grussbotschaft.

Die vom Museum Auschwitz-Birkenau und dem Internationalen Auschwitz-Rat organisierte Feier am Nachmittag stand unter dem Patronat des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski. Holocaust-Überlebende, Rabbiner und Vertreter christlicher Bekenntnisse sowie Staats- und Regierungschefs nahmen daran teil.

Kerzen vor dem Opferdenkmal in Birkenau

Das Programm des Anlasses auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers umfasste eine Eröffnungsrede des polnischen Präsidenten, Ansprachen von Überlebenden des Holocaust sowie christliche und jüdische Gebete wie «El male rachamim» zum Gedenken an die Opfer der Shoah.

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Beim Abschluss der Feierlichkeiten stellten die Chefs der offiziellen Delegationen, unter ihnen Bundespräsidentin Sommaruga, Kerzen vor dem Opferdenkmal in Birkenau auf. Nach Angaben der Organisatoren nahmen 250 bis 300 Überlebende an den Feierlichkeiten teil. Bundespräsidentin Sommaruga traf am Rande der Gedenkfeier Gábor Hirsch, Gründer und ehemaliger Präsident der Kontaktstelle für Überlebende des Holocaust in der Schweiz.

Dunkelste Phase der europäischen Geschichte

«Nie dürfen wir vergessen, was Auschwitz bedeutet», heisst es in einer Grussbotschaft von Bundespräsidentin Sommaruga, die das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am Dienstag auf seiner Homepage veröffentlichte. «Der zweite Weltkrieg und der Holocaust liegen 70 Jahre zurück. Es gibt immer weniger Menschen, die sich noch an diese Zeit erinnern können. Es ist nun an uns Nachgeborenen, die Erinnerung an diese dunkelste Phase der europäischen Geschichte wach zu halten. Damit wir für die Zukunft verhindern können, dass sich solche Ereignisse wiederholen», sagte Sommaruga.

Vor ihrer Abreise nach Polen hatte die Bundespräsidentin am Dienstagmorgen in Bern die letzten Bände einer Publikationsreihe mit Memoiren von Holocaust-Überlebenden, die in der Schweiz leben, entgegengenommen. Die Kontaktstelle für Überlebende des Holocaust in der Schweiz publiziert die Reihe seit 2008 mit Unterstützung des Bundes.

Erinnerung an Holocaust wach halten

Die Schweiz gehört seit 2004 der zwischenstaatlichen Organisation International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) an, deren Ziel es ist, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten. Um die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu bewahren, sprach die Schweiz 2013 rund 1,2 Millionen Franken zugunsten der Stiftung Auschwitz-Birkenau.

Die Schweiz bekennt sich laut dem EJPD zudem vorbehaltlos zur «Stockholm Declaration», die im Rahmen der IHRA erarbeitet wurde: Die acht Punkte der Erklärung beschreiben die Verantwortung der Staaten, den Holocaust weiter zu erforschen und der Opfer zu gedenken. Vergangene Woche bekräftigten die IHRA-Staaten die Ziele und Werte der «Stockholm Declaration».

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(sda/me)