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Kryptowährungen
Nobelpreisträger Jean Tirole hält Bitcoin für eine Blase

Frankreichs renommiertester Ökonom glaubt nicht, dass Bitcoin jemals mehr als eine Nischenwährung sein wird. Dazu sei die Technologie zu ineffizient.

Von Simon Schmid und Seraina Gross
am 25.10.2017

« Bitcoin hat einen Wert, wenn die Leute daran glauben», sagt Jean Tirole. «Und es hat keinen Wert, wenn sie nicht daran glauben.»

Der französische Ökonom kritisiert im Interview mit der « Handelszeitung» die Kryptowährung, deren Wert sich in den letzten zwölf Monaten beinahe verzehnfacht hat. Sie sei weder durch einen Rohstoff wie Gold noch durch das Einkommen eines Landes gedeckt. «Mit anderen Worten: Es ist eine Blase.»

Hohe Kosten

Der Industrieökonom und Präsident der Toulouse School of Economics sieht Bitcoin als Nischenwährung, die unter anderem zur Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung verwendet würde, aber Landeswährungen wie dem Dollar oder dem Franken nicht den Rang ablaufen könne.

«Die Produktionstechnologie von Bitcoin ist nicht optimal», sagt Tirole. «Grosse Teile des Gewinns bei der Ausgabe der Währung werden über Strom- und Computerkosten in den Rechenzentren der Bitcoin-Miner verschwendet.»

Innovative Schweiz

Tirole, der 2014 den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhielt, lobt die Schweiz für ihre Innovationskraft. «Was es braucht, sind Ökosysteme mit hervorragenden Universitäten und genug Wagniskapital.» Zugleich weist er auf die Rolle von Wettbewerbsbehörden im digitalen Markt hin, etwa im Bereich der Hotelbuchungen. «Der aktuelle Zustand ist klar unbefriedigend», sagt Tirole über die Vormacht von Booking. Er unterstützt das Schweizer Parlament in seinem Ansinnen, der Marktdominanz der Buchungsplattform per Gesetz einen Riegel vorzuschieben.

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