«Die Amerikaner stehen vor folgender Wahl: Entweder entscheiden sie sich für einen sehr langsamen Fortschritt mit Obama oder für Schritte zurück mit Mitt Romney», sagt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit der «Handelszeitung». Das grösste Problem in der amerikanischen Gesellschaft sei die riesige Ungleichheit.

Mit Romney werde sie weiter zunehmen. «Schauen sie doch sein Programm an – überall Steuersenkungen zugunsten der Reichen und der Unternehmen.» Die Einzigen, welche von seiner Wirtschaftspolitik profitierten, so Stiglitz, seien eine kleine Elite, die 1 Prozent der Gesellschaft ausmache.

Vor vier Jahren hatte Stiglitz gehofft, dass Obamas Wahl in den USA ein Schlüsselereignis werden könnte wie 1933, als Franklin D. Roosevelt Präsident wurde. «Doch ich war schon bald skeptisch. Denn schon während seiner Kampagne war mir klar, dass Obama zu konservativ ist.» Obama habe beides gewollt, Kontinuität und Wandel.

«Als er seine Wirtschaftsberater bestimmte, waren es dieselben Personen, welche die Krise und das Desaster an den Finanzmärkten mitverursachten.» Laut Stiglitz waren Finanzminister Timothy Geithner und seine Leute zu nahe an den Leuten dran, als dass Obama die notwendige wirtschaftliche Transformation gelingen konnte.

«Sie haben ein hervorragendes Lehrlingswesen»

Stiglitz plädiert für mehr Wachstum, denn eine schwache Wirtschaft führe zu höherer Arbeitslosigkeit, geringeren Löhnen, wachsender Ungleichheit und höherer Verschuldung. «Wir brauchen ein gross angelegtes Job- und Impulsprogramm. Dieses umfasst eine Reihe von Massnahmen, welche die Wirtschaft stimulieren, Investitionen auslösen und Technologien weiterentwickeln.»

Der Ökonom spricht sich namentlich für Investitionen in die Infrastruktur des Landes und ins Bildungssystem aus. Dabei lobt er explizit die Schweiz. «Sie haben ein hervorragendes Lehrlingswesen, das auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgerichtet ist mit den entsprechenden Qualifikationen.»

Dies sei mit ein Grund, weshalb es der Schweiz und Deutschland gelinge, Maschinen und Uhren herzustellen und in die ganze Welt zu exportieren – trotz der hohen Arbeitskosten.

Lesen Sie das ganze Interview mit Joseph Stiglitz in der neuen Ausgabe der «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk.

 

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