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Bedrohung
Nordkorea schiesst Rakete über Japan

Kim Jong-Un: Heizt den Konflikt seit Monaten an. Keystone

Diktator Kim Jong-Un zündet die nächste Stufe: Eine nordkoreanische Raklete flog am Dienstag über japanisches Territorium. Der japanische Premier Shinzo Abe reagiert sofort.

Veröffentlicht am 29.08.2017

Der Konflikt über das nordkoreanische Raketenprogramm hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Nach Angaben aus Japan, Südkorea und den USA überflog eine nordkoreanische Rakete am Dienstag Japan. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer beispiellosen und ernsthaften Bedrohung.

Die Rakete wurde in einem Gebiet nahe der Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert und flog etwa 2700 Kilometer weit, wie der Generalstab der südkoreanischen Armee mitteilte. Dabei habe sie eine Höhe von 550 Kilometern erreicht, bevor sie in drei Teilen in den Pazifik niedergegangen sei.

«Beispiellose Bedrohung»

Japan sprach von einer «beispiellosen ernsten» Bedrohung. Zuletzt war 2009 ein nordkoreanisches Geschoss über Japan geflogen. Südkorea warf Nordkorea schwere Provokation vor und demonstrierte mit dem Abwurf von Bomben auf einen Schiessplatz nahe der innerkoreanischen Grenze militärische Stärke.

Nordkoreas jüngster Raketentest wurde in Südkorea auch als Warnsignal gewertet, trotz zunehmenden Drucks durch die USA im Konflikt um sein Atomprogramm nicht einlenken zu wollen. Der Test erfolgte während laufender Militärübungen der USA mit Südkorea. Nordkorea unterstellt den USA regelmässig, mit solchen Manövern einen Angriff vorzubereiten. Das bestreiten die USA und Südkorea.

Nervöse Anleger

An den Börsen reagierten Anleger nervös. Aktien wurden verkauft, als sicher geltende Anlagen wie Gold und der Schweizer Franken waren dagegen gefragt.

Nach Berichten südkoreanischer Medien wollte sich der UNO-Sicherheitsrat in New York auf Antrag der USA, Japans und Südkoreas noch am Dienstag mit dem jüngsten Raketentest durch das diplomatisch isolierte Nordkorea befassen.

Nach den beiden Interkontinentalraketentests im Juli hatte das höchste UNO-Gremium die bisher schwersten Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang verhängt. Am vergangenen Samstag hatte Nordkoreas Militär drei Kurzstreckenraketen ins Japanische Meer geschossen. Eine der Raketen explodierte bei dem Test nach Angaben des US-Militärs bereits kurz nach dem Abheben.

Keine Bedrohung für US-Gebiete

Der Test stelle eine «ernste und schwerwiegende Bedrohung Japans dar», erklärte Regierungssprecher Yoshihide Suga. Man werde eng mit der Schutzmacht USA sowie Südkorea kooperieren. Das US-Verteidigungsministerium kam zur Einschätzung, dass die Rakete keine Bedrohung für die USA dargestellt habe.

Nach Berichten des japanischen Senders NHK stürzten Teile des Flugkörpers etwa 1180 Kilometer östlich der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido ins Meer. Japan habe jedoch keine Abwehrrakete gestartet, hiess es unter Berufung auf das Militär.

In Südkorea wies Präsident Moon Jae In die Streitkräfte an, ihre Kampfkraft zu demonstrieren. Vier F15K-Kampfjets liessen daraufhin nach Angaben eines Sprechers auf einen Schiessplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Verlegung von Waffen nach Südkorea?

Washington und Seoul würden ausserdem darüber nachdenken, «strategische» Verteidigungswaffen nach Südkorea zu verlegen. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.

Der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas verurteilte den Raketentest durch Nordkorea als Verletzung von UNO-Resolutionen. Diese verbieten dem Land Tests mit ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf tragen können. Nordkorea arbeitet an Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Der Nordkorea-Konflikt heizt sich seit Monaten auf. US-Präsident Donald Trump hatte Pjöngjang mit «Feuer und Zorn» gedroht, was angesichts der atomaren Bewaffnung beider Länder für Unruhe sorgte. Nordkorea drohte zeitweise damit, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel Guam abzufeuern.

(sda/ise/mbü)

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