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Vorhaben
«Nur rentables Tunnelprojekt hat Chancen»

Der Vizedirektor des Bundesamts für Verkehr lobt die angedachte Güter-Bahn CST. Doch für Pierre-André Meyrat ist klar: Der Bund wird sich finanziell nicht beteiligen.

Von David Vonplon
am 26.01.2016

Unterirdische Transportwege - das erinnert an Swissmetro und andere Utopien. Ist die Umsetzung von «Cargo Sous Terrain» (CST) aus Ihrer Sicht realistisch?
Pierre-André Meyrat*: CST ist auch aus Sicht des Bundes ein spannendes Projekt. Die von dem Förderverein im Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass es grundsätzlich realisierbar ist. Der Vergleich mit Swissmetro hinkt: CST transportiert Güter, nicht Personen. Personentransporte sind mit viel mehr Sicherheitsfragen verbunden. Bei Swissmetro stand die Geschwindigkeit im Vordergrund, während CST eine pragmatische und schrittweise Lösung ist. Im Gegenteil zu CST würde zudem Swissmetro Technologien benötigen, die noch zu entwickeln sind.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Risiken und Herausforderungen des Projekts?
CST ist innovativ, aber bringt keine risikoreichen technologischen Revolutionen mit sich. Die Technik ist bekannt und man weiss in der Schweiz, wie man Tunnels bohrt. Angesichts des erwarteten Wachstums im Güterverkehr – auf Strasse und Schiene – können wir nicht darauf verzichten, auch alternative Transportmöglichkeiten zu prüfen. Das Kosten/Nutzen-Verhältnis muss aber vernünftig sein. Daher ist der volkswirtschaftliche Nutzen abzuklären. Das BAV hat vor kurzem einen externen Studienauftrag erteilt, um diese Frage im Lichte der Machbarkeitsstudie vertieft zu beurteilen.

In welchem Masse könnte CST aus Ihrer Sicht zur Entlastung der Verkehrswege im Mittelland beitragen?
Die Schweiz ist mit Engpässen konfrontiert, vor allem rund um und in den Städten. Die Transportnachfrage wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die unterirdische Verlegung eines Teils der Güter ist ein Beitrag zur Entlastung der bestehenden Netze. Davon profitieren Güter- und Personenverkehr, Strasse und Schiene. Es ist auch sinnvoll aus Sicht der Raumplanung.

Das Projekt erfordert laut Machbarkeitsstudie Investitionen von 3,5 Milliarden Franken. Wovon hängt ab, dass ein rentabler Betrieb möglich sein wird?
Netzinfrastrukturen sind generell sehr teuer, das gilt insbesondere für Verkehrs- und Logistikinfrastrukturen. Sie sind aber unabdingbar für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und den Wohlstand des Landes. Mit solchen Projekten geht es primär um Wertschöpfung und Produktivität. CST muss den Bedürfnissen der Branche entsprechen, um erfolgreich zu sein. Deswegen ist es für den Bund wichtig, dass CST von der Wirtschaft getragen wird. Es ist massgebend, dass die Privatwirtschaft den Anstoss gibt und die Führung übernimmt. Das Projekt soll nur realisiert werden, wenn die Wirtschaft an die Rentabilität glaubt.

 

Mit welchen Schritten kann der Bund zum Gelingen des Projekts beitragen? Welche gesetzgeberischen Schritte sind notwendig?
Die Ergebnisse der Studie zum volkswirtschaftlichen Nutzen werden entscheidend sein für die künftige Rolle des Bundes. Dann wird klarer, welche Schritte als Nächstes folgen werden.

Ist es denkbar, dass sich der Bund dereinst am Bau des Tunnelprojekts beteiligen wird — oder die Finanzierung des Projekts gar ganz übernimmt?
Nein. Das Projekt hat nur Realisierungschancen, wenn es betriebswirtschaftlich rentabel ist und vollständig von der Privatwirtschaft finanziert wird. Als Gegenleistung zur Subventionierung würde das Projekt mit politischen Auflagen belastet, die aus betriebswirtschaftlicher Perspektive kaum tragbar wären.

Wie will der Bund verhindern, dass das Projekt nicht als Bauruine endet, falls die Rechnung nicht aufgehen sollte?
Indem er die notwendigen Bewilligungen nur erteilt, wenn die Rentabilität des Projekts, einschliesslich der möglichen Risiken, nachgewiesen und seine vollständige Finanzierung durch den Privatsektor gesichert ist. Die Investoren werden ein starkes Interesse daran haben, dass die Projektkosten nicht aus dem Ruder laufen.

*Pierre-André Meyrat ist seit Februar 2011 stellvertretender Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV). Der Rechtsanwalt leitet die Abteilung Finanzierung (Bild: (c) BAV_Rihs).

 

 

 

 

 

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