Eines der wichtigsten Treffen zur Euro-Schuldenkrise beim G20-Gipfel im mexikanischen Los Cabos ist kurzfristig abgesagt worden. Anders als geplant kamen US-Präsident Barack Obama und die europäischen Gipfelteilnehmer am späten Montagabend (Ortszeit) nicht wie verabredet zusammen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus mehreren Delegationen. Zur Begründung hiess es, es gebe keinen Gesprächsbedarf mehr.

Aus US-Regierungskreisen hiess es, das Abendessen habe lange gedauert, «so dass wir das Treffen mit der Euro-Zone abgesagt haben». Der Präsident habe die Gelegenheit für weitere Treffen am Rande des Gipfels.

Zwischen den USA und den Europäern gibt es Streit über den richtigen Weg, die Schuldenkrise einzudämmen. Die USA fordern seit Monaten eine rasche Lösung - notfalls auch mit Milliarden-Ausgaben. In der EU sperrt sich vor allem Deutschland gegen überhastete Lösungen, die nur auf Kredit finanziert werden können.

Im Ton konziliant, in der Sache hart

Die führenden Volkswirtschaften der Erde (G20) nehmen die Staaten der Eurozone denn auch in der Schuldenkrise in die Pflicht: Im Entwurf der Abschlusserklärung des G20-Gipfels im mexikanischen Los Cabos, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, versichern die Europäer, alles nur Nötige zu tun, um ihre Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Vorrangig sollen die Finanzmärkte beruhigt, Vertrauen zurückgewonnen und stetiges Wachstum geschaffen werden.

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Zum Auftakt des zweitägigen Treffens der Staats- und Regierungschefs in dem Badeort an der Pazifikküste gab es gegenseitige Schuldzuweisungen. Die USA, China, Indien und Südkorea zeigten sich tief beunruhigt, dass die Schuldenkrise weiter schwelt und schlimmstenfalls die Weltwirtschaft bedroht. Bei allem Verständnis für die Lage der Europäer überwogen doch kritische Töne.

Stellvertretend rief Südkoreas Präsident Lee Myung Bak zu einschneidenden Reformen in Europa auf. Sie seien die einzige Lösung für die Schuldenprobleme - egal, wie schmerzhaft oder unpopulär sie auch seien, sagte er. Das Finanzsystem der Eurozone müsse von Grund auf überholt werden, um Gefahren für die Weltwirtschaft zu eliminieren.

Im Ton konziliant, aber in der Sache hart gaben sich auch US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatschef Hu Jintao und Indiens Premier Manmohan Singh.

Barroso verärgert

Einseitige Schuldzuweisungen wies dei deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel entschieden zurück. Die Schuldenkrise sei eben nicht allein Problem der Europäer, auch andere Wirtschaftsmächte stünden in der Pflicht, sagte sie. «Hier wird jeder Kontinent seinen Beitrag leisten müssen.»

Schwer verärgert war EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso: «Wir lassen uns hier von niemandem belehren.» Die Krise sei nicht von Europa ausgelöst worden, sondern habe in den USA ihren Ausgang genommen.

Merkel und Obama trafen sich allein am Rande des Gipfels. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen waren sie sich einig, «dass weitere Schritte zur politischen Integration» in Europa notwendig seien.

Die fünf Brics-Staaten - Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika - warnten vor den Gefahren der Euro-Schuldenkrise und forderten «kooperative Lösungen».

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Hilfe für Spaniens Banken begrüsst

Um der Kritik an ihrem Krisenmanagement zu begegnen, wollen die Euro-Länder in der Abschlusserklärung eine Garantie für die Stabilität der gemeinsamen Währung abgeben. «Die Mitglieder der Eurozone in der G20 werden alle notwendigen politischen Massnahmen ergreifen, um die Integrität und Stabilität des Währungsraums zu sichern.»

Der Teufelskreis von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder und angeschlagenen Banken müsse durchbrochen werden, heisst es weiter. Die Länder der Euro-Zone wollen sich zudem für besser funktionierende Finanzmärkte einsetzen.

Die G20 fordern, dass die Euro-Länder mit der neuen Regierung in Griechenland zusammenarbeiten müssten, um das Land am Rande des Bankrotts auf Reformkurs und in der Währungsgemeinschaft zu halten. Die von Spanien geplante Banken-Rekapitalisierung im Umfang von bis 100 Milliarden Euro wird begrüsst.

Es ist der siebte G20-Gipfel seit November 2008, als die Staats- und Regierungschefs erstmals zusammengekommen waren, um das Weltfinanzsystem nach der Pleite der US-Investbank Lehman Brothers vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

(tno/laf/awp)