Barack Obamas Aufstieg vom Provinzpolitiker ins Weisse Haus verlief rasant. Gebeutelt von zwei Kriegen und einer tiefen Wirtschaftskrise wählten die USA den jungen Senator aus Illinois im November 2008 als ersten Afroamerikaner zum Präsidenten.

Obama weckte als eine Art politischer Messias die Hoffnung auf einen Wandel («Hope and Change»), das Land folgte seiner ermutigenden Parole «Yes, we can!». Vier Jahre später bittet er die ernüchterten Wähler nun um mehr Zeit bei der Einlösung seiner Versprechen.

«Ich habe nie gesagt, dass diese Reise einfach sein würde, und ich werde es jetzt auch nicht versprechen», sagte Obama, als er Anfang September beim Parteitag in Charlotte die neuerliche Nominierung seiner Demokraten für das Weisse Haus annahm. «Der Weg, den wir anbieten, mag vielleicht steiniger sein, aber er führt zu einem besseren Ort.»

Geboren wurde Barack Hussein Obama 1961 auf Hawaii, er ging aus der kurzen Beziehung seiner weissen amerikanischen Mutter mit einem schwarzen Gaststudenten aus Kenia hervor. Vom Vater hat er den Namen geerbt, der erzkonservative Verschwörungstheoretiker immer wieder am Geburtsort und am christlichen Glauben des Präsidenten zweifeln lässt. Mehrere Jahre seiner Kindheit verbrachte Obama in Indonesien.

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Rhetorisch begabtes Leichtgewicht

Als Teenager kehrte Obama nach Hawaii zurück. Nach dem Schulabschluss schrieb er sich zunächst in Los Angeles ein, dann studierte er Politik an der Columbia University in New York. Seinen ersten Job hatte Obama bei einer Beratungsfirma, ehe er 1985 als Sozialarbeiter in Chicago anheuerte.

Drei Jahre später begann er ein Jura-Studium an der Elite-Uni Harvard. In dieser Zeit lernte er seine Frau Michelle kennen, mit der er zwei Töchter hat.

Landesweite Aufmerksamkeit erregte Obama erstmals mit einer Rede auf dem Wahlparteitag der Demokraten 2004. Als er vier Jahre später im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei mitmischte, wurde er zunächst als rhetorisch begabtes Leichtgewicht abgetan.

Denn erst 1997 war Obama als Volksvertreter im Landesparlament von Illinois in die Politik eingestiegen, 2005 wechselte er als Senator auf die grosse Bühne nach Washington.

Von den Gegnern unterschätzt

Doch seine Gegner unterschätzten ihn. Getragen von der Begeisterung an der Basis baute Obama eine schlagkräftige Wahlkampforganisation auf, wie kein Politiker zuvor setzte er dabei auf die Mobilisierungskraft sozialer Online-Netzwerke wie Facebook.

Erst entriss Obama der parteiinternen Favoritin Hillary Clinton die Nominierung, dann besiegte er den Republikaner John McCain im Rennen um das Weisse Haus. Als Obama am 20. Januar 2009 als 44. Präsident der USA vereidigt wurde, trat er ein schweres Erbe an.

Mit einer Konjunkturspritze von 800 Milliarden Dollar versuchte er, den freien Fall der Wirtschaft umzukehren. Doch im Herbst 2012 verharrt die Arbeitslosigkeit weiter bei knapp acht Prozent. Die Staatsschulden sind derweil auf mehr als 16 Billionen Dollar explodiert.

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Krieg trotz Friedensnobelpreis

Gegen den Widerstand der Republikaner brachte Obama eine Gesundheitsreform durch den Kongress, die Millionen Menschen Zugang zu einer Krankenversicherung ermöglichen soll. Der Präsident beendete den Militäreinsatz im Irak und stellte die Weichen für den Abzug aus Afghanistan.

Im Mai 2011 tötete ein Elitekommando der US-Armee auf seinen Befehl Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Im Kampf gegen das Terrornetzwerk setzt Obama in Pakistan und im Jemen gnadenlos auf Drohnenangriffe - trotz des Friedensnobelpreises, der ihm zu Beginn seiner Amtszeit verliehen wurde.

Kritik erntete Obama neben der schwächelnden Wirtschaft auch dafür, dass er Versprechen wie die Schliessung des Gefangenenlagers Guantánamo oder eine Reform des Einwanderungsrechts nicht umsetzte.

In Umfragen liegt der Präsident mit Herausforderer Mitt Romney praktisch gleichauf. Am kommenden Dienstag wird sich herausstellen, ob die Magie von 2008 vollends verflogen ist.

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(rcv/sda)