US-Präsident Barack Obama hat Russland vorgeworfen, mit den Luftangriffen in Syrien die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) zu stärken. Das russische Vorgehen treibe die gemässigten Rebellen in den Untergrund, sagte Obama in Washington. Dass Russland nicht zwischen dem IS und den gemässigten Aufständischen unterscheide, könne zu einer Katastrophe führen. «Aus ihrer Sicht sind das alles Terroristen.»

Russland beschränkt sich bei seinen Luftangriffen nach eigenen Angaben nicht auf IS-Ziele, sondern nimmt auch andere Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ins Visier. Die USA und andere Staaten, darunter auch Deutschland, fordern eine Beschränkung der Angriffe auf die Islamisten-Gruppe und einen Machtwechsel in Syrien.

Humanitäre Hilfe verunmöglicht

Die Vereinten Nationen können nach eigenen Angaben nicht wie geplant in Syrien humanitäre Hilfe leisten. Eigentlich ist vereinbart worden, Verletzte aus mehreren Regionen des Bürgerkriegslandes zu evakuieren. Der Plan wurde unterstützt vom Iran und der Türkei. Er liege nun aber wegen «verstärkter militärischer Aktivitäten»  auf Eis, sagte eine UN-Sprecherin.

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Einen direkten Hinweis auf die jüngsten Luftangriffe Russlands in Syrien gab es nicht. Ein Insider sagte Reuters jedoch, das russische Eingreifen gefährde die UN-Hilfen. Eine Sprecherin des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes sagte, die Versuche zur Evakuierung Verletzter seien ausgesetzt worden. Sie könnten aber wieder aufgenommen werden, sollte die Situation vor Ort dies zulassen.

Deutschland fordert Gespräche mit vielen Staaten

Bei einer Suche nach einem Ende des Bürgerkrieges in Syrien müssen nach Darstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel möglichst viele Staaten eingebunden werden. Für politische Lösungen müsse es mehr Akteure als die USA, Russland, Grossbritannien oder Frankreich geben, sagte Merkel in Paris nach Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem französischen Kollegen Francois Hollande.

Deutschland und Frankreich hätten Russland deutlich gemacht, dass in Syrien die Extremistenmiliz Islamischer Staat der Feind sei, den es zu bekämpfen gelte. Zudem müsse eine Lösung für Syrien auch die Interessen der Opposition widerspiegeln. Anders als Frankreich beteiligt sich Deutschland nicht an den Luftangriffen auf mutmassliche IS-Ziele in Syrien. An der von den USA geführten Allianz beteiligen sich auch arabische Staaten.

Bald auch im Irak?

Der Präsident der autonomen irakischen Region Kurdistan hat die USA und Russland zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der radikalen Miliz Islamischer Staat (IS) aufgerufen. Es liessen sich bessere Ergebnisse erzielen, wenn sich die von den USA geführte Militärallianz und Russland absprächen, erklärte Massud Barsani. Die von ihm geführte Region würde Russlands Unterstützung der kurdischen Peschmerga-Streitkräfte bei der Bekämpfung des IS begrüssen, fügte er hinzu. Auch die irakische Regierung hat erklärt, dass sie eine Ausweitung der russischen Luftangriffe von Syrien auf irakisches Territorium gutheissen würde.

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(reuters/sda/chb)