Ihr Buch sorgt in den USA für Schlagzeilen. Gemeinsam mit dem deutschen Ökonomen Martin Hellwig veröffentlichte die Stanford-Professorin Anat Admati im vergangenen Jahr «Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schief läuft und was sich ändern muss».

Laut dem US-Magazin «Time» gehört sie inzwischen zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten rund um den Globus. Die Uni Zürich war so beeindruckt von Admatis wissenschaftlichen Errungenschaften, dass sie die Finanzwissenschaftlerin in diesem Frühjahr mit der Ehrendoktorwürde auszeichnete.

Admati: Banken sollten 20 bis 30 Prozent Eigenkapital halten

In Zürich referierte sie im April über die Fragilität des heutigen Bankensystems: Demnach müssten Banken heute 20 bis 30 Prozent Eigenkapital halten, um das Finanzsystem krisenfester zu machen

Eine absurde Vorstellung? Anscheinend nicht für US-Präsident Barack Obama. Dieser lud Admati in der vergangenen Woche zu einem privaten Lunch-Termin ins Weisse Haus ein. Gemeinsam mit vier anderen Ökonomen wurde offenbar diskutiert, was sich im Bankensystem ändern muss, um es krisenfester zu machen. Ebenfalls am Tisch: Nobelpreisträger Paul Krugman. Wie Admati ist auch der Princeton-Ökonom in den vergangenen Jahren vor allem durch finanzkritische Töne aufgefallen.

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«Wir brauchen ein Finanzsystem, das funktioniert»

Admati war seinerzeit auf Einladung des Instituts für Banking und Finance in Zürich. Dessen Vize-Direktor Marc Chesney sagte kürzlich im Interview mit «handelszeitung.ch»: «Wir brauchen ein Finanzsystem, das funktioniert.» Das sei heute nur begrenzt der Fall: «Banken kommen ihrer eigentlichen Aufgabe – die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen – viel zu wenig nach.»

Chesney Zeifel zweifelt an der Vorstellung, der Finanzsektor sei liberal: «Wer glaubt, der Bankensektor folge Marktregeln, täuscht sich.» Der Libor-Zins etwa sei kein Marktzins. «Dieser bildet sich aus den Meinungen einiger Grossbanken. Wenn es aber wenige Akteure gibt, ist das Betrugsrisiko sehr hoch», so Chesney.