Die USA verschärfen in der Ukraine-Krise ihre Sanktionen gegen Russland. Die Strafmassnahmen gegen Personen und Firmen würden am Montag verhängt, kündigte US-Präsident Barack Obama bei einem Besuch in Manila an. Sie seien gegen High-Tech-Exporte an die russischen Streitkräfte gerichtet. Obama drohte darüber hinaus Sanktionen gegen ganze Branchen an, sollte Russland weiter aggressiv gegen die Ukraine vorgehen.

Obamas Vize-Sicherheitsberater Tony Blinken hatte solche Schritte zuvor bereits in einem Interview auf NBC angekündigt. Blinken meinte, die neuerlichen Massnahmen würden Personen in Putins engster Umgebung «direkt treffen». Es wird darüber spekuliert, ob nun der CEO von Gazprom, Alexei Miller, sowie Igor Setschin von Rosneft an der Reihe sind.

Bereits bei der ersten Sanktionswelle setzte die Obama-Administration den Milliardär und Gunvor-Mitgründer Gennadi Timtschenko auf die Liste. Als Begründung schoben die Amerikaner nach, Putin sei bei Gunvor investiert. Eine Behauptung, die der Rohstoffhändler umgehend dementierte, letztmals wieder diesen Freitag.

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Timtschenko verkaufte kurz vor den US-Strafmassnahmen seinen Anteil und gab kürzlich ein Interview, indem er sich zu den US-Aktionen äusserte sowie über Pläne seiner Firma Novatek zu Gas-Deals mit China Auskunft gab. Timtschenkos Novatek entfaltet mit mindestens drei Firmen auch aus der Schweiz heraus Aktivitäten: Novatek Overseas Exploration & Production, Novatek Overseas und Novatek Gas & Power.

Schummrige Jahre in Sankt Petersburg

Dass Wladimir Putins – angebliches – Milliarden-Vermögen immer wieder Gegenstand von Presseberichten und Diplomaten-Depeschen ist, hat er sich auch selbst zuzuschreiben. Als er in den 90er-Jahren in Sankt Petersburg einen hohen Posten in der Stadtverwaltung bekleidete, kam es zu erheblichen Unregelmässigkeiten unter seiner Führung. Putin genoss Rückendeckung vom Stadpräsidenten, seine Rolle wurde in diesen Betrügereien nie richtig aufgeklärt. Politiker, die Genaueres wissen wollten, wurden bedroht, einige kamen auf die eine oder andere Weise ums Leben.

Damalige Kollegen Putins aus St. Petersburger-Zeiten machten nach seiner Machtübernahme im Jahr 2000 traumhafte Karrieren bei Unternehmen, die im Einflussbereich des Kreml stehen. So wie etwa Igor Setschin, Chef von Rosneft oder Alexei Miller, CEO von Gazprom.

Die Wikileaks-Depeschen

Doch Putins Lehrzeit in Sankt Petersburg ist nicht die einzige Episode, die Gerüchte um seinen angeblichen Reichtum befeuern. Diverse Wikileaks-Depeschen zeigen, dass die US-Diplomatie schon lange Informationen dazu sammelt. So meinte etwa ein Manager von General Electric, dass der Präsident der staatlichen Eisenbahn, Wladimir Jakunin – auch er ein Sankt Petersburger – Putin in Cash Schmiergeld überbrachte.

Nun versuchen die USA diesen Personenkreis weiter unter Druck zu setzten: «Es ist, als ob man in einem Kreis steht, und plötzlich wird auf jeden in diesem Kreis eine Bombe geworfen», beschrieb der Demokrat Robert Menendez, der den Auswärtigen Ausschuss des US-Senats leitet, den Mechanismus. «Und das ist eine Botschaft an dich, dass es jetzt eng für dich wird.»

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