Ein Dienstwagen ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in vielen OECD-Ländern eine gute Sache: Das Unternehmen, das den Wagen stellt, kann die Ausgaben von der Steuer absetzen und bietet seinen Angestellten zugleich einen zusätzlichen Lohnanteil. Für den Arbeitnehmer entfallen ein grosser Teil der Anschaffungs- und der Betriebskosten wie Service und Versicherung.

Genau diese Praxis kritisiert die OECD allerdings in einer neuen Studie. Demzufolge profitieren Dienstwagenfahrer überproportional von Steuervergünstigungen und belasten zusätzlich durch eine verschwenderische Fahrweise die Umwelt. Da es sie weniger kostet, fahren Lenker eines Dienstwagens öfter, sie fahren weitere Strecken und oft grössere Autos.

Umwelt- und Gesellschaftskosten sind enorm

Der Steuerzuschuss pro Dienstwagen beträgt laut OECD dabei jährlich rund 1'600 Euro im Durchschnitt. In der Schweiz liegt er bei rund 2'000 Euro (siehe Grafik). Das mag für den Dienstwagenfahrer komfortabel sein, laut OECD wiegt der persönliche Vorteil jedoch die Kosten für die Allgemeinheit nicht auf. «Die Umwelt- und Gesellschaftskosten sind nicht richtig in der Nutzung der Fahrzeuge berücksichtigt», sagt Simon Upton, Umweltdirektor der OECD. In den untersuchten Ländern werden die Umwelt- und Gesellschaftskosten auf insgesamt 121 Milliarden Euro geschätzt.

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Im Durchschnitt trägt der Verkehr etwa 25 Prozent zu den Emissionen in den OECD-Ländern bei. Wie andere Länder versucht auch die Schweiz, mit einer geeigneten Klimapolitik den CO2-Ausstoss zu verringern. Geeignete Mittel sind Energieeffizienzsteigerung und Energieabgaben. Doch bei den Firmenfahrzeugen verpufft der gewünschte Effekt.

Steuererhöhung hätte positive Effekte

Das Problem laut OECD: Durch die Besteuerung als Firmenwagen fallen sehr viel weniger Einnahmen für den Staat an, als bei privat versteuerten Wagen. Den Unterschied hat die Organisation in einer Benchmark ausgerechnet. Demnach hätten alle untersuchten Länder gemeinsam 64,3 Milliarden Euro mehr an Steuern eingenommen, wären Dienstwagenfahrer nicht steuerlich bevorteilt.

Um Dienstwagenfahrer zu umweltfreundlichem Fahren anzuhalten, gäbe es laut OECD einen effektiven Ansatz: Bisher fliesst in den meisten Ländern die Zahl der gefahrenen Kilometer noch zu wenig ein. Eine Kilometersteuer  hätte demnach einen grösseren Einfluss auf Einnahmen und Verhalten. Noch wirksamer wäre es laut Studienautoren, den Unterschied zwischen Privat- und Firmenbesteuerung aufzulösen.