Aus Protest gegen eine umstrittene Öko-Steuer haben am Samstag wieder tausende Lastwagenfahrer Strassen in ganz Frankreich blockiert. Nachdem die Regierung das Projekt nach heftigen Protesten am Freitag zunächst auf Eis gelegt hatte, verlangen die Demonstranten nun, es definitiv zu stoppen.

Nach Angaben des französischen Innenministeriums beteiligten sich 2200 Fahrer an den Protesten, die Transportgewerkschaft gab die Zahl mit 4500 an.

Die Lastwagenfahrer errichteten Strassensperren und sorgten mit Fahrten im Schneckentempo für Staus. Auch am Pariser Flughafen Charles de Gaulle gab es eine Blockade, durch die nur hin und wieder Autos passieren durften.

Ein Sprecher des Spediteursverbands OTRE zeigte sich «zufrieden mit der Beteiligung». Auch von den Autofahrern kämen wohlwollende Reaktionen. Laut dem französischen Verkehrsinformationszentrum staute sich der Verkehr auf landesweit mehr als 70 Kilometern.

Die seit Jahren geplante Öko-Steuer für Schwertransporter über 3,5 Tonnen sollte eigentlich ab Januar kommenden Jahres erhoben werden. Nach heftigen Protesten hatte die sozialistische Regierung die Einführung zwar gestoppt, zugleich aber erklärt, sie halte generell an dem Vorhaben fest.

Am Freitag teilte die Regierung dann mit, über den Zeitplan sei «noch nicht entschieden». Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hatte zuvor gesagt, die Lastwagen-Abgabe werde möglicherweise erst Anfang 2015 eingeführt. Sie soll neues Geld für die Verkehrs-Infrastruktur einbringen und den Gütertransport auf der Schiene fördern.

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Massenproteste in der Bretagne

Gegen die Öko-Steuer und für mehr Arbeitsplätze demonstrierten am Samstag auch zahlreiche Menschen in der Bretagne. An der zentralen Kundgebung in Carhaix beteiligten sich den Organisatoren zufolge mehr als 30'000 Aktivisten.

Initiiert wurde die Kundgebung von den sogenannten Rotmützen («Bonnets Rouges»), einer überparteilichen Protestbewegung, die seit Wochen gegen den wirtschaftlichen Niedergang der nordwestfranzösischen Region mobil macht.

Vor allem die dortige Fischerei- und Landwirtschaftsbranche hat mit Tiefpreis-Auslandskonkurrenz und sinkenden EU-Subventionen zu kämpfen. Ein Drittel der Bevölkerung ist in den beiden Branchen beschäftigt.

Die Protestbewegung der «Rotmützen», die Unternehmer genauso wie Arbeiter, Handwerker und Bauern vereint, steht unter dem Motto «Leben, arbeiten und entscheiden in der Bretagne». Mit ihren roten Mützen, die sie bei den Demos tragen, spielen die Demonstranten auf jene Bretonen an, die im 17. Jahrhundert eine Revolte wegen der Steuerlast gegen den Zentralstaat starteten.

In Paris gegen Fremdenfeindlichkeit

In Paris gingen am Samstag überdies mehrere tausend Demonstranten gegen Fremdenfeindlichkeit auf die Strasse. Anlass waren rassistische Beleidigungen gegen die schwarze Justizministerin Christiane Taubira.

Zu der Aktion hatten Anti-Rassismus-Organisationen und Gewerkschaften aufgerufen, die regierenden Sozialisten stellten sich hinter den Aufruf.

(sda/aho)