Österreich rüstet sich gegen Wirtschaftseinbussen durch die Ukraine-Krise. Die Regierung will am Mittwoch mit Unternehmens- und Belegschaftsvertretern über Massnahmen beraten, um die betroffenen Firmen zu unterstützen und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt so gering wie möglich zu halten. Denkbar sei etwa der Einsatz von Kurzarbeit sowie Initiativen zur Förderung der Jugendbeschäftigung. Es gebe in der Alpenrepublik einige Industriefirmen, die derzeit wegen sinkender Aufträge aus Russland mit Nachfrageeinbrüchen zu kämpfen hätten, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Dienstag.

Grund für die Einbussen seien aber nicht in erster Linie die Sanktionen gegen Russland, sagte Faymann. Davon sei nur ein sehr geringer Anteil des ohnehin überschaubaren Aussenhandels mit Russland betroffen. «Schuld daran ist, dass Krieg herrscht in dieser Region.» Viele Firmen würden geplante Investitionen daher verschieben und ihr Geschäft vorerst nicht ausbauen. «Die Psychologie ist viel stärker als die Sanktionen. Daher wird der wirtschaftliche Schaden des Kriegs in Europa spürbar - auch in Österreich, auch in Deutschland, auch in Finnland, auch in der Slowakei, auch in Tschechien», sagte Faymann.

Kurzarbeit bei MAN

Der deutsche LkW-Bauer MAN etwa plant von Oktober bis Anfang Januar für je rund 2000 Beschäftigte in seinen Werken im österreichischen Steyr sowie in Salzgitter Kurzarbeit. Grund dafür sei jedoch die schwache Auftragslage in Europa, nicht die Krise in der Ukraine und Russland, sagte ein Sprecher. Österreichs Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) erklärte jedoch, der Nachfragerückgang bei MAN sei zu einem Drittel auf die Krise in Russland zurückzuführen.

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Die EU-Staaten hatten am Montagabend vereinbart, die angestrebten härteren Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Waffenruhe in der Ostukraine vorerst nicht umzusetzen. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) begrüsste die Entscheidung: «Weil wir in Verhandlungen und in einer politischen Lösung das wirkliche Problem beherrschen können und nicht mit Sanktionen.»

Russland ist ein wichtiger Absatzmarkt für die österreichische Lebensmittelindustrie. Zudem sind dort mehrere grosse österreichische Banken - etwa die Raiffeisen Bank International oder die UniCredit -Tochter Bank Austria - vertreten. Die Bankenaufseher hatten bereits vor steigenden Risiken für die Institute gewarnt, sollte sich die Wirtschaftsentwicklung in Russland verschlechtern.

(reuters/ise/gku)