Nach der Ausreise hunderter Flüchtlinge in mehreren Zügen aus Ungarn Richtung Westeuropa kritisiert Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann seinen ungarischen Amtskollegen. «Dass die in Budapest einfach einsteigen (...), und man schaut, dass die zum Nachbarn fahren - das ist doch keine Politik», sagte Faymann im ORF-Fernsehen.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban müsse dafür sorgen, dass in seinem Land Gesetze eingehalten würden und es Kontrollen gebe. «Wo ist denn da der starke Regierungschef der immer auffällt durch besonders undemokratische Massnahmen», sagte Faymann.

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«Balkan-Route»

Zuvor waren Flüchtlinge in mehreren Zügen aus Budapest nach Österreich eingereist. Auch in Wien gab es Reuters-Augenzeugen zufolge keine Polizeikontrollen, als viele von ihnen in Züge zur Weiterfahrt nach Deutschland umstiegen. Auf ihrer Flucht in den Westen und Norden Europas nehmen viele die sogenannte «Balkan-Route» durch Mazedonien, Serbien und Ungarn weiter nach Österreich und Deutschland. Österreich hatte nach dem Tod von 71 Flüchtlingen in einem Schlepperwagen seine Kontrollen im Grenzraum verstärkt.

Faymann mahnte, Europa müsse zusammenstehen, um eine Lösung für das Problem zu finden und eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf alle Mitgliedsstaaten zu erreichen. Länder wie Grossbritannien, Tschechien, die baltischen Staaten oder Polen könnten sich vor der gemeinsamen Verantwortung nicht drücken. Sollten sie sich nicht mit Argumenten überzeugen lassen, könnte der Rest der EU ihnen Förderungen entziehen. «Die nächsten Finanzrahmenverhandlungen kommen bestimmt. Es gibt Forderungen einzelner Länder - wenn ich nur an die Briten denke, die sich einen eigenen Katalog wünschen, was wir alles für sie tun sollen. Da muss man sagen, Solidarität ist keine Einbahnstrasse», sagte Faymann.

(reuters/chb)